Nehemia 4
Die Juden, die in ihrer Nähe lebten, kamen immer wieder von ihren Wohnorten zu uns und forderten uns auf: „Kommt zu uns zurück!“ Daraufhin stellte ich an den offenen Stellen, hinter den niedrigsten Abschnitten der Mauer, bewaffnete Wachen auf. Ich teilte die Leute nach Sippen ein und befahl ihnen, sich mit ihren Schwertern, Speeren und Bögen zu bewaffnen. Und ich sah mich um, trat vor die vornehmen Bürger, die Oberhäupter der Stadt und das übrige Volk und sagte zu ihnen: „Fürchtet euch nicht vor ihnen! Denkt an den HERRN, der groß und furchtbar ist, und kämpft für eure Freunde, eure Familien und euer Zuhause!“ … In dieser Zeit kam keiner von uns – weder ich, meine Verwandten, meine Diener noch die Wachen, die bei mir waren – je aus unseren Kleidern. Alle führten wir unsere Waffen mit, selbst wenn wir nur Wasser holten. Am 25. Tag des Monats Elul, nach 52 Tagen, wurde die Mauer vollendet.
Antiterrormaßnahmen sind keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, sondern durchaus schon im Alten Testament ein probates Mittel, um sich Feinde vom Leib zu halten. Diese hier sind recht radikal: Waffenbesitz für alle und Bewachung Tag und Nacht. Würde das heute etwa der US-amerikanische Präsident anordnen, stünde die Welt kopf. Allerdings geht es auch nicht darum, gut situierten Menschen in bürgerlichen Stadtvierteln die Wumme im Handschuhfach und das PumpgunSortiment im Dielenschrank zuzugestehen. Hier in Israel ging es nämlich um die nackte Existenz.
Sicherlich hatten die Israeliten nicht das Gefühl der Überlegenheit, trotz ihrer Waffen. Vor lauter Angst nehmen sie sich nicht einmal die Zeit, die Wäsche zu wechseln. Dass wir zu unbedingtem Frieden aufgerufen sind, ist eine Botschaft Jesu, die allerdings nicht so gemeint ist, dass wir um eines abstrakten Friedensprinzips willen unsere Familien und Freunde schutzlos zum Opfer der Feinde werden lassen. Der Jahwe-Eroberungskrieg hat sich ohnehin spätestens mit dem Kommen Jesu erledigt, auch wenn manche christlichen Kreuzzügler das nicht so recht verstanden haben. Aber hier geht es ausschließlich um Verteidigung dessen, was uns anvertraut ist – und das gehört auch zu unserem Auftrag als Christen.
Versammlung aller Männer und Frauen und aller Kinder, die das Gehörte verstehen konnten. Vom frühen Morgen bis zum Mittag las er auf dem Platz vor dem Wassertor den Männern, Frauen und Kindern, die es verstehen konnten, laut daraus vor. … Esra lobte den HERRN, den großen Gott, und das ganze Volk antwortete: „Amen! Amen!“ und alle hoben die Hände zum Himmel. Dann knieten sie sich nieder, und mit dem Gesicht zur Erde beteten sie den HERRN an. … Nehemia fuhr fort: „Geht und feiert ein Fest mit köstlichem Essen und süßen Getränken und teilt eure Speisen mit denen, die nichts vorbereitet haben. Denn dies ist ein heiliger Tag für unseren Herrn. Seid nicht traurig, denn die Freude am HERRN ist eure Zuflucht!“ (…) Am 24. Tag desselben Monats versammelten sich die Israeliten, in grobes Tuch gekleidet und mit Asche auf dem Kopf, und sie fasteten. Wer israelitischer Herkunft war, sonderte sich von allen Ausländern ab und bekannte seine Sünden und die Sünden seiner Vorfahren.
Hin und wieder gab es Erneuerungsbewegungen in der Geschichte Israels. Von dieser hier wird sehr feierlich berichtet. Alle werden auf das Gesetz Gottes ausgerichtet – das Gesetz wird sehr lange verlesen, das Volk bekennt seine Sünden und verpflichtet sich feierlich zum Gehorsam.
Vieles an dieser Geschichte erinnert an die Atmosphäre von so genannten Erweckungsveranstaltungen. In der Tat wird das Volk ja auch erweckt – aufgeweckt. Es gibt auch in der Kirchengeschichte immer wieder große Momente Gottes, bei denen eine Vielzahl von Menschen sich Gott zur Verfügung stellt. Es ist schön, so etwas erleben zu dürfen. Wenn wir an die großen Reformationsund Erweckungsbewegungen in
Nehemia 8 und 10 in Auszügen
So brachte der Priester Esra am ersten Tag des siebten Monats das Gesetzbuch vor die
Deutschland denken und uns die aktuelle kirchliche und geistliche Landkarte ansehen, wissen wir auch, wie prägend so etwas über Jahrhunderte sein kann.
Ein wenig Wasser muss allerdings in den Freudenwein geschüttet werden: Einmal erweckt zu sein heißt nicht, es auf alle Zeiten zu bleiben. Es ist eine unvergessliche Starthilfe, die auch später noch tragen kann. Aber sie bewahrt nicht davor, im Glauben auch scheitern zu können.
