2. Samuel 2 in Auszügen
Die Männer von Juda kamen zu David und salbten ihn zum König über den Stamm Juda.
Als David berichtet wurde, dass die Einwohner von Jabesch im Gebiet von Gilead Saul begraben hatten, ließ er ihnen durch Boten ausrichten: „Der HERR segne euch für eure Liebe zu eurem Herrn, dafür, dass ihr ihn begraben habt. Nun seid starke und mutige Männer! Denn Saul, euer Herr, ist tot, aber das Volk Juda hat mich zu seinem neuen König gesalbt.“ Doch Abner, der Heerführer Sauls, hatte bereits Sauls Sohn Isch-Boschet nach Mahanajim gebracht. Dort ließ er ihn zum König über Gilead, Asser, Jesreel, Ephraim, Benjamin und das restliche Israel ausrufen. Der Stamm Juda hingegen hielt zu David. … Abner und die Männer Israels wurden aber von den Truppen Davids geschlagen.
Der König ist tot – es lebe der König? Schön wär’s! Doch die ganze Geschichte läuft mal wieder nicht so glatt, wie alle sich das wünschen. Das wäre denkbar: Diejenigen, die die DavidGeschichte bis hierhin verfolgt haben, liegen sich endlich weinend in den Armen. Sie vergießen angesichts der noblen Haltung Davids gegenüber Saul Tränen der Rührung. Sie lassen David als neuen König hochleben, der nun endlich das durch Gott von langer Hand geplante Ziel erreicht hat.
Doch daraus wird nichts. Die Sache ist mit einem Mal nicht mehr so eindeutig wie erhofft. Isch-Boschet, ein Sohn Sauls, erhebt plötzlich dynastische Ansprüche. Auf diesen Einfall kam er nicht aus freien Stücken. Vielmehr scheint es so, als habe Sauls Militärchef Abner Isch-Boschet vorgeschickt, um selbst Herr im Ring zu bleiben. Immerhin bringt Isch-Boschet fast alle Stämme Israels hinter sich, während David nur vom – allerdings bedeutenden – Stamm Juda akzeptiert wird. Dann wird zunächst eine Art Stellvertreter-Kampfspiel ausgetragen, bei dem sich allerdings die Gegner ausnahmslos gegenseitig entleiben. Da das also auch nichts brachte, kommt es nun zur „richtigen“ Schlacht, in der David dann siegt.
Wenn Gott einen Menschen zu einem Amt beruft, geht es nur selten glatt. Es ist ein Mythos, dass dann immer alles wie am Schnürchen läuft. Klar: Man erlebt glückliche Fügungen, aber es gibt auch viele Situationen, die einen an den Rand der Verzweiflung treiben können. Auch einem von Gott gesegneten Menschen liegt die Welt nicht zu Füßen.
