2. Könige 5
Also zog Naaman mit seinen Pferden und Streitwagen zu Elisas Haus und wartete vor der Tür. Elisa ließ ihm durch einen Diener ausrichten: „Geh und wasche dich sieben Mal im Jordan. Dann wird deine Haut wieder gesund und du wirst geheilt sein.“ Da ging Naaman ärgerlich fort. „Ich hatte angenommen, dass er persönlich zu mir kommt!“, sagte er. „Ich hatte erwartet, dass er die Hand über die aussätzige Haut ausstrecken, den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und mich heilen würde! Sind der Abana und der Parpar in Damaskus denn nicht besser als alle Flüsse Israels? Warum kann ich mich nicht in ihnen waschen und geheilt werden?“ Und er drehte sich um und ging zornig fort. Seine Begleiter aber redeten ihm gut zu. „Herr“, sprachen sie zu ihm, „wenn der Prophet etwas Großes von dir verlangt hätte, hättest du es dann nicht getan? Wie viel eher solltest du ihm gehorchen, wenn er dich nur auffordert: ,Bade dich, damit du wieder gesund wirst!‘“ Also ging Naaman hinab an den Jordan und tauchte sich sieben Mal unter, wie der Mann Gottes es ihm befohlen hatte. Da wurde seine Haut so gesund wie die eines kleinen Kindes und er war geheilt.
Die Wege Gottes sind oft verschlungen. Diese Geschichte finden wir nur in der Bibel, weil ein israelitisches Dienstmädchen Mitleid mit ihrem Dienstherrn hat, der eigentlich als Aramäer ihr Feind ist. Aussatz war, wie wir bereits gesehen haben, das Aids der Antike. Und nun hat es auch den wackeren Kriegshelden Naaman erwischt. Offenbar war die Heilkunst in Aram auch nicht viel weiter als in Israel. Aber immerhin weiß das Dienstmädchen einen Ausweg: „Da gibt es doch einen Propheten, der so etwas kann …“
Nun ist das Ganze ja politisch gesehen delikat, und deshalb schickt Naaman vorsichtshalber ein üppiges Geschenk an den König. Doch dieser steht gewaltig auf dem Schlauch. Glücklicherweise hatte Elisa das mitbekommen und angeboten, dem Naaman zu helfen. Als dieser dann nun wirklich im Land ist, erleben wir das Gegenteil vom Glauben der Öl-Witwe. Der Feldherr sieht sich abgespeist mit einem – dazu recht fragwürdigen – Rezept und will indigniert abreisen. Aber er hat gute Berater, die ihm empfehlen, in dieser Sache gehorsam zu sein.
Die Jordan-Heilkur, der sich Naaman dann doch unterzieht, ging nicht als medizinisches Verfahren in die Geschichte ein. Zu Recht, denn sein Wasser ist in der Tat nicht besser als das in den aramäischen Flüssen. Aber es kommt eben auf den Gehorsam an. Und zwar auf den Gehorsam im Kleinen. Im Leben ist es doch auch so: Wir warten darauf, dass Gott große Dinge von uns verlangt. Wenn er uns aber dann kleine und eher prosaische Aufträge gibt, können wir uns gar nicht vorstellen, dass diese von Gott sein sollen. Wir tun sie einfach nicht – zu unserem Schaden.
Bei Naaman aber sehen wir, dass auch zähneknirschend erfüllter Gehorsam zu großem Segen werden kann.
