2. Könige 20
Um diese Zeit wurde Hiskia todkrank, und der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, besuchte ihn. Er brachte ihm folgende Botschaft: „So spricht der HERR: ,Bring deine Angelegenheiten in Ordnung, denn du wirst sterben. Du wirst nicht mehr von dieser Krankheit genesen.‘“ Da drehte er sein Gesicht zur Wand und betete zum HERRN: „Denke doch daran, HERR, wie ich dir immer von ganzem Herzen treu war und stets getan habe, was dir Freude machte.“ Und Hiskia weinte bitterlich. Daraufhin erhielt Jesaja folgende Botschaft des HERRN, noch bevor er den Hof verlassen hatte: „Geh noch einmal zurück zu Hiskia, dem Fürsten meines Volkes. Sag ihm: So spricht der HERR, der Gott deines Stammvaters David: ,Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen. Ich will dich gesund machen.“ … Hiskia hatte Jesaja gefragt: „Welches Zeichen wird mir der HERR geben, dass er mich heilen wird und ich in drei Tagen zum Haus des HERRN gehen kann?“ Jesaja antwortete: „Der HERR gibt dir folgendes Zeichen als Beweis dafür, dass er sein Versprechen halten wird: Möchtest du, dass der Schatten der Sonnenuhr zehn Striche vorwärtsoder zehn Striche rückwärtswandern soll?“ „Der Schatten geht immer vorwärts“, sagte Hiskia. „Lass ihn zehn Striche rückwärtsgehen!“ Jesaja bat den HERRN darum, und dieser ließ den Schatten an der Sonnenuhr des Ahas zehn Striche rückwärtsgehen.
Jesaja war ein Prophet, der im Südreich Juda wirkte. Abgesehen vom umfangreichen Jesaja-Buch begegnet er uns aber in der Bibel auch noch in anderen Zusammenhängen, so wie hier anlässlich der Krankheit König Hiskias. Unter den Königen in der Nachfolge Davids gehörte Hiskia zu denen, deren Kontostand geistlich gesehen noch nicht im Minus lag. Jetzt ist er sterbenskrank, und der Prophet weissagt ihm einen baldigen Tod.
Nun geschieht etwas, was in der Bibel nirgends sonst berichtet wird: Hiskia bittet Gott um Genesung, und dieser gewährt ihm eine Verlängerung seines Lebens um 15 Jahre. Der Tod wurde auf später vertagt, aber Hiskia wusste nun, wann er ungefähr sterben würde. Was würden wir eigentlich in unserem Leben verändern, wenn wir wüssten, dass wir 15 Jahre später sterben würden? Würden wir depressiv werden? Oder würden wir diese 15 Jahre fröhlich sein (denn bis zu unserem Tod nach 15 Jahren kann uns ja nichts etwas anhaben)? Gott schenkt Hiskia das Leben, doch geht dies einher mit einem Memento mori, auf das unsereiner vielleicht auch gerne verzichtet hätte. Das Wenige, was darüber in dieser Hinsicht die Bibel zu berichten weiß, zeigt aber, dass Hiskia dies wohl eher als Freifahrtschein für seine verbliebene Lebenszeit aufgefasst hat: Er wurde überheblich. Aber auch damit wurde Gott fertig – Hiskia kehrte schließlich wieder um (2. Chronik 32,26). Und daher gehört er auch nach seinem Tod zu den Königen mit einer positiven Bilanz.
