Tag 217

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Hesekiel 37

„O HERR, mein Gott“, antwortete ich, „das weißt nur du.“ Da sagte er zu mir: „Weissage über diese Gebeine und sag zu ihnen: ,Ihr gebleichten Knochen, hört das Wort des HERRN! So spricht Gott, der HERR, zu diesen Knochen: Seht! Ich werde euch Atem einhauchen und euch wieder lebendig machen! Ich gebe euch Sehnen, lasse Fleisch an euch wachsen und überziehe euch mit Haut. Ich hauche euch Atem ein und mache euch wieder lebendig. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin.‘“ Ich weissagte, wie er es mir befohlen hatte. Und noch während ich redete, hörte ich plötzlich ein lautes Geräusch und die Knochen rückten zusammen und verbanden sich miteinander. Und dann bildeten sich vor meinen Augen Sehnen und Fleisch auf den Knochen. … Dann sagte er zu mir: „Menschenkind, diese Gebeine sind das gesamte Volk der Israeliten. Sie sagen: ,Unsere Knochen sind vertrocknet, für uns gibt es keine Hoffnung mehr, es ist zu Ende mit uns.‘ Deshalb weissage und sag zu ihnen: ,So spricht Gott, der HERR: Seht, ich öffne eure Gräber; ich lasse euch als mein Volk aus euren Gräbern steigen und bringe euch nach Israel zurück. Und wenn ich eure Gräber öffne und euch als mein Volk aus euren Gräbern steigen lasse, dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin. Ich gebe euch meinen Geist, damit ihr lebt, und ich bringe euch in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR es angekündigt und auch ausgeführt habe. Ich, der HERR, habe gesprochen!‘“

Diese Vision fängt grauenvoll an: ein Tal voller Knochen. Hesekiel wird sich wie in einem Albtraum gefühlt haben. Unsereinem sind da vielleicht die Bilder aus den Konzentrationslagern vor Augen. Es bleibt einem nicht viel übrig, als fassungslos dazustehen. Und die Knochen sind völlig vertrocknet, toter als tot.

Und dann soll Hesekiel diesen Skelett-Resten Leben predigen. Im realen Leben völlig abwegig, aber in der Vision geschieht das. Das Ergebnis könnte man sich wunderbar als Szene in einem aufwendig gedrehten Horrorfilm vorstellen: Knochenteile werden zu lebendigen Menschen. So richtig sympathisch wird einem die Vision nicht, wenn man nur an das rein sichtbare Geschehen denkt.

Umso dankbarer ist man für die geistliche Bedeutung dieser Szene: Den geistlich mausetoten Israeliten wird der Geist Gottes Leben einhauchen und sie werden in ihr Land zurückkehren. Was für eine eindrückliche Botschaft für die Exilierten in Babylon!

Aber noch ein Zweites klingt an, und das ist für uns Christen näherliegend. Erstmals kommt der Gedanke der Auferstehung der Toten in der Bibel vor, die allerdings erst später durch Jesus Christus zur Realität werden wird.

Egal in welche Richtung man es versteht: Gottes Geist schafft wirklich neues Leben, auch und gerade dann, wenn es für ein neues Leben keine Anknüpfungspunkte gibt.