Tag 271

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Lukas 7

Einer der Pharisäer lud Jesus zum Essen in sein Haus ein. Jesus nahm die Einladung an und setzte sich zu Tisch. Eine Frau aus dem Ort, die für ihren unmoralischen Lebenswandel bekannt war, erfuhr, dass er da war, und brachte ein Gefäß mit kostbarem Salböl. Sie kniete vor Jesus nieder und weinte. Ihre Tränen fielen auf seine Füße, und sie trocknete sie mit ihren Haaren. Dann küsste sie ihm wieder und wieder die Füße und salbte sie mit dem Öl. … Jesus wusste, was er dachte, und sagte zu dem Pharisäer: „Simon, ich habe dir etwas zu sagen.“ „Ja, Meister“, nickte Simon, „sprich nur.“ Darauf erzählte Jesus: „Ein Mann lieh zwei Leuten Geld – dem einen fünfhundert Denare und dem anderen fünfzig. Als keiner der beiden ihm das Geld zurückzahlen konnte, erließ er ihnen ihre Schulden. Wer von den beiden liebte ihn danach wohl mehr?“ Simon antwortete: „Ich nehme an, derjenige, dem er die größere Schuld erließ.“ „Das stimmt“, sagte Jesus. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: „Schau dir die Frau an, die da kniet. Als ich dein Haus betrat, hast du mir kein Wasser angeboten, um mir den Staub von den Füßen zu waschen; sie hat meine Füße mit ihren Tränen gewaschen und mit ihrem Haar getrocknet. Du hast mir keinen Begrüßungskuss gegeben; sie hat mir unaufhörlich die Füße geküsst, seit ich hereingekommen bin. … Ich sage dir, ihre Sünden – und es sind viele – sind ihr vergeben; deshalb hat sie mir viel Liebe erwiesen. Ein Mensch jedoch, dem nur wenig vergeben wurde, zeigt nur wenig Liebe.“ Dann sagte Jesus zu der Frau: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Die anderen Männer am Tisch sagten zueinander: „Für wen hält sich dieser Mann, dass er Sünden vergibt?“ Und Jesus sagte zu der Frau: „Dein Glaube hat dich gerettet; geh in Frieden.“

Man stelle sich vor: Der Pfarrer lädt einen Gastredner zum Essen ein. Man sitzt gerade fröhlich zusammen, als plötzlich eine stadtbekannte Bordsteinschwalbe im Raum steht, die eine Flasche sündteures Parfüm über die Füße des Gastes schüttet, dabei heult und die Füße anschließend mit ihren Haaren trocknet. Das ist so grotesk wie peinlich, und wahrscheinlich haben in dieser Geschichte die Szenerie alle wie vom Donner gerührt beobachtet.

„Aha“, denkt sich der Gastgeber, „Jesus hat doch nicht den geistlichen Durchblick.“ Aber Jesus hat ihn mehr, als Simon vermutet, und beweist das, indem er ihn anspricht und dadurch zeigt, dass er weiß, was Simon denkt. Das kleine Gleichnis, das er erzählt, zeigt, dass Simon keine Veranlassung hat, über der Frau den Stab zu brechen. Die Frau zeigt Jesus ihre Liebe, weil sie erfahren hat, dass ihre Sünden vergeben wurden. Und auch Simon bekommt sein Fett weg. Wie er Jesus empfangen hatte, war eher pflichtgemäß als enthusiastisch. Das zeigt in Sachen Vergebung offenbar Nachholbedarf.

Das Ende der Geschichte ist typisch für uns Menschen: Statt den Worten Jesu Glauben zu schenken, wird darüber diskutiert, ob er überhaupt so etwas sagen darf – und damit eine Chance verpasst.