Lukas 11
Während Jesus noch sprach, lud einer der Pharisäer ihn zu sich zum Essen ein. Er ging mit ihm und ließ sich zum Essen nieder. Sein Gastgeber wunderte sich, dass er Platz nahm, ohne zuvor die vorgeschriebene Waschung zu vollziehen. Daraufhin sagte Jesus zu ihm: „Ihr Pharisäer achtet peinlich genau darauf, Becher und Teller äußerlich zu säubern, doch innerlich seid ihr alles andere als rein, sondern voller Habgier und Bosheit! Wie dumm von euch! Hat Gott nicht das Äußere und das Innere geschaffen? Deshalb gebt den Bedürftigen, was ihr in eurer Habgier zusammenrafft, und ihr werdet in allem rein sein. Doch es wird euch Pharisäern schlimm ergehen! Denn ihr gebt zwar den vorgeschriebenen zehnten Teil noch vom kleinsten Anteil eurer Einkünfte, doch die Gerechtigkeit und die Liebe Gottes vergesst ihr. Ihr sollt den zehnten Teil geben, das ist richtig, aber ihr dürft die wichtigeren Dinge dabei nicht außer Acht lassen.“
Jesus ließ nicht nur keinen Fettnapf aus, sondern tappte vielmehr absichtlich hinein, dass es den Umstehenden tüchtig ins Gesicht spritzte. Da ist er nun eingeladen und schon reagiert er in einer Weise pampig, die wir heutzutage als wenig salonfähig einstufen würden. Er beschimpft nicht nur den Gastgeber, sondern die Pharisäer im Allgemeinen. Und was er sagt, kommt nicht aus der Kategorie „Ich kritisiere, ohne zu verletzen“.
Nirgendwo sonst verteilt Jesus solche verbalen Ohrfeigen, bezeichnet die Pharisäer als innerlich beschmutzt, habgierig, böse, heuchlerisch, sogar als Mörder. Und als ihn einer darauf hinweist, dass Jesus sie beleidigt, sagt Jesus sinngemäß: „Richtig beobachtet.“
Warum teilt Jesus hier nur so kräftig aus? Anderen gegenüber ist er doch wesentlich gnädiger und milder. Die Pharisäer aber verstecken die Wahrheit und verfälschen sie, so dass die Menschen irregeleitet werden. So etwas ist anti-göttlich und anti-christlich und geht weit über die individuelle Sünde einzelner Personen hinaus. Und wenn es wirklich ums Grundsätzliche geht, kann man nicht deutlich genug werden.
