- Werbung -

Kolumne: Was hätte Jesus zur Todesstrafe gesagt?

Sie wird aktuell wieder vielfach diskutiert und sorgt für Schlagzeilen in der ganzen Welt: die Todesstrafe. Doch was würde Jesus dazu sagen?

Anfang Oktober ging diese Nachricht um die Welt: „Verurteilte in den USA überlebt zwei Giftspritzen“, die Hinrichtung ist damit fehlgeschlagen. Nach einer Zeit im Krankenhaus ist die wegen Mordes zum Tode verurteilte Amerikanerin wieder ins Gefängnis gebracht worden. Der republikanische Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, setzte nach dem Vorfall alle für 2026 geplanten Hinrichtungen in dem Bundesstaat vorerst aus und ordnete eine unabhängige Prüfung an.

- Werbung -

Nochmal USA: Anfang Dezember wollen die USA erstmals seit mehr als 60 Jahren eine Militärhinrichtung durchführen. US-Verteidigungsminister Hegseth kündigte an, diese per Livestream übertragen zu lassen. Die Öffentlichkeit debattiert über die geplant Übertragung – auch Kirchenvertreter haben sich geäußert. Gestern sagte Präsident Trump den Livestream zur Hinrichtung ab.

Und in Pakistan hat das Oberste Gericht das Todesurteil gegen den Christen Qaisar Ayub wegen angeblicher Blasphemie bestätigt. Die Debatte über die Todesstrafe wird auch 2026 noch geführt. Ein Grund sich einmal zu fragen: Was hätte Jesus zur Todesstrafe gesagt?

Jesus und die Ehebrecherin

Ich würde sagen, wir gehen einfach direkt rein in die Bibel und schauen uns an, wie Jesus handelt. Stellen Sie sich die Szene vor: Der Morgen im Tempelbezirk, Menschen drängen sich um einen Lehrer aus Galiläa. Dann stürmen Schriftgelehrte und Pharisäer herein und zerren eine Frau in die Mitte. Sie sagen: Die Frau wurde beim Ehebruch ertappt. Das Gesetz des Mose sei eindeutig, und sie wollen wissen, was dieser Jesus dazu meint.

Die Frage ist eine Falle. Antwortet er mit Milde, bricht er das Gesetz. Antwortet er mit Härte, verliert er jedes Sympathie, die ihm die Menge entgegenbringt. Jesus tut etwas Unerwartetes: Er bückt sich und schreibt mit dem Finger in den Staub. Er antwortet nicht sofort, und vielleicht ist genau das die erste Antwort.

Dann sagt er einen Satz, der bis heute wirkt: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“

Und wieder bückt er sich und schreibt weiter. Einer nach dem anderen gehen die Ankläger, die Gesetzeshüter zuerst. Am Ende stehen nur noch Jesus und die Frau da. Nachzulesen ist die Bibelgeschichte in Johannes 8,2-11.

Also: Was hätte Jesus zur Todesstrafe gesagt? Ich glaube, er hätte zuerst darauf bestanden, dass niemand die Wahrheit über sich selbst verliert. Seine Gerechtigkeit fragt nicht zuerst, wer den Stein werfen darf, sondern wer ohne Schuld ist. Die Antwort lautet: niemand. Wer also den Tod eines Menschen verlangt, verlangt ihn von einem Menschen, der selbst scheitert, zweifelt und irrt. Das ist keine Gerechtigkeit, die Gott gefallen kann, sondern eine Anmaßung.

Jesus liebt Gerechtigkeit

Und doch wäre es ein Missverständnis, Jesus als jemanden zu lesen, der Unrecht einfach übersieht. Er sagt der Frau nicht: „Es war nicht so schlimm.“ Er sagt: „Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr“ (Johannes 8,2-11). Gottes Gerechtigkeit verlangt Wahrheit, aber sie endet nicht in der Vernichtung. Sie öffnet einen Weg. Der Richter Jesus ist zugleich der Einzige, der das Recht gehabt hätte zu verurteilen, und genau er verzichtet darauf.

Hier liegt der Kern: Die Todesstrafe nimmt einem Menschen die Möglichkeit zur Umkehr. Sie setzt einen Schlussstrich unter eine Geschichte, die noch nicht zu Ende sein muss. Jesus glaubt an Wandlung, an Vergebung, an einen zweiten Anfang. Ein Justizsystem, das diese Möglichkeit für immer ausschließt, nimmt sich eine Macht heraus, die nur Gott zukommt, wenn er sie überhaupt je beansprucht.

Gerechtigkeit ist für Jesus nicht die Abrechnung der Schuld, sondern die Wiederherstellung des Menschen. Das bedeutet nicht, dass Taten folgenlos bleiben. Die Frau wird nicht als unschuldig dargestellt. Aber die Folge ist Umkehr, nicht Auslöschung. Und die Gemeinschaft ist aufgerufen, selbst Verantwortung zu übernehmen, statt sich hinter dem Gesetz zu verstecken.

Wer hat das Recht?

Ich vermute, Jesus würde heute genauso fragen, wie er damals gefragt hat: Wer hat das Recht, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen, wenn er selbst weiß, wie sehr er auf Gnade angewiesen ist? Und er würde hinzufügen, was er damals der Frau sagte: „Hat dich niemand verurteilt?“ Wenn wir ehrlich antworten, wird der Stein schwer in unserer Hand.

Die Kolumne „Was hätte Jesus gesagt“ ist ein Beitrag in unsere Zeit, mal humoristisch – mal tiefsinnig. Die Texte sollen zum Denken anregen: über Jesus, uns Christinnen und Christen, die Welt und wie alles in Verbindung steht. Die Texte werden im Wechsel von den Redakteuren Tim Bergen und Johannes Schwarz verfasst.

QuelleC-Heute

NEWS & Themen

NEWSLETTER

BLICKPUNKT – unser Tagesrückblick
täglich von Mo. bis Fr.
Wir liefern dir die interessantesten NEWS,
Interviews und Geschichten aus der christlichen Welt.
Kompakt, relevant, inspirierend.

Wie wir Deine persönlichen Daten schützen, erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Abmeldung im NL selbst oder per Mail an info@jesus.de

Konnten wir dich inspirieren?

Jesus.de ist gemeinnützig und spendenfinanziert – christlicher, positiver Journalismus für Menschen, die aus dem Glauben leben wollen. Magst du uns helfen, das Angebot finanziell mitzutragen?