Heino Falcke hat im Podcast „Hotel Matze“ ausführlich über seinen christlichen Glauben gesprochen. Für den Astrophysiker sei Gott der „liebende Schöpfer“.
In dem rund zweistündigen Gespräch mit Moderator Matze Hielscher bekannte sich Falcke offen zu seinem Glauben. „Ich habe einen ganz einfachen christlichen Glauben“, sagte er in der Podcast-Folge. Gott sei für ihn „der liebende Schöpfer.“
Falcke war mit seinem Team maßgeblich an dem Projekt beteiligt, das 2019 das erste Bild eines Schwarzen Lochs veröffentlichte.
„Jeder Mensch hat ein Gottesbild“
Für Falcke beginnt die Frage nach der Existenz Gottes bereits bei der Frage nach dem Anfang. „Es reicht nicht zu sagen, da war am Anfang der Urknall, weil: Wo kommt der Urknall her?“, sagte er. Auch ein Multiversum oder ein Inflatonfeld beantworteten für ihn die Ursprungsfrage nicht: „Wo kommen die Gesetze her?“
Daraus zieht der Physiker einen weitreichenden Schluss: „Jeder macht sich ein Bild vom Anfang. Und dein Bild vom Anfang bestimmt auch dein Bild von der Welt – selbst wenn es ein Fragezeichen ist.“ Jeder Mensch habe „in gewisser Weise ein Gottesbild“, so Falcke. Für manche sei es ein Fragezeichen oder eine Leerstelle, für andere eine Sammlung von Naturgesetzen.
Glaube bedeute für ihn, mit dem unverfügbaren Geheimnis des Lebens umzugehen. Gerade die Physik lehre, dass es dieses Geheimnis gebe. „Wir wissen nicht, was vor dem Urknall ist. Wir wissen nicht, was in Schwarzen Löchern ist“, sagte Falcke. Die Grenzen des Wissens seien in die Physik eingebaut.
Naturgesetze als „Worte Gottes“
Schöpfung versteht Falcke nicht als Konkurrenz zur Naturwissenschaft. „Für mich sind Naturgesetze auch Worte Gottes“, sagte er unter Verweis auf den biblischen Schöpfungsbericht. Gott sei für ihn „der Ursprung auch der Naturgesetze“.
Zugleich warnte er davor, Gott mit der sichtbaren Welt zu verwechseln: „Die Welt ist nicht Gott. Die Welt kann irgendwann vergehen, aber Gott wird immer noch da sein.“ Der entscheidende Punkt der biblischen Schöpfungserzählung sei, „dass man Gott trennt von der Schöpfung“: „Der Baum ist nicht Gott. Der Blitz ist nicht Gott, das Licht ist nicht Gott – aber es kommt aus Gott hervor.“
Im Christentum komme noch Jesus hinzu: „In diesem einen Menschen ist Gott ganz sichtbar und wirklich nah.“ Falcke verwies außerdem darauf, dass Jesus den Ursprung der Natur „Papa“ nenne: „Er sagt nicht Papa zur Natur, sondern zu dem Ursprung der Natur.“
Den Glauben beweisen?
Dass Gott sich beweisen ließe, hält Falcke weder für möglich noch für wünschenswert: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass du Gott nicht beweisen kannst.“ Ein Beweis würde, so Falcke, „ein Stück der Freiheit des Glaubens“ verschwinden lassen. „Alles, was ich verstehen und beweisen kann, habe ich ja unter Kontrolle. Das wäre dann nicht mehr Gott.“
Für sich selbst habe er die Frage dennoch entschieden: „Mein Weltbild ist: Es gibt Gott. Punkt.“ Das bedeute für ihn jedoch nicht, dass das Fragen und Zweifeln aufhöre. Dass er als Wissenschaftler öffentlich über seinen Glauben spricht, bringt ihm regelmäßig Kritik ein. Nach Interviews kämen immer wieder Kommentare, alles sei interessant gewesen – „aber dann fing er an, über Gott zu reden“.
Der Astrophysiker hält es für unehrlich, über die Natur und das, was ihn antreibt, zu sprechen und dabei so zu tun, als spiele Gott keine Rolle in seinem Leben: „Das wäre unehrlich.“
