Römer 3
Wir haben ja bereits gezeigt, dass alle Menschen – ob sie Juden sind oder nicht – unter der Herrschaft der Sünde stehen. In der Schrift heißt es: „Keiner ist gerecht – nicht ein Einziger. Keiner ist klug; keiner fragt nach Gott. Alle haben sich von Gott abgewandt; alle sind für Gott unbrauchbar geworden. Keiner tut Gutes, auch nicht ein Einziger.“
„Das mit Adam und Eva ist ja eine ganz beeindruckende Geschichte, aber was hat das denn mit uns zu tun? Man muss doch jeden Menschen individuell betrachten. Man kann mich doch nicht mit einem Ungeheuer wie Hitler vergleichen.“ So denken viele im Stillen.
Der Bibeltext im Brief des Paulus an die Römer sagt etwas anderes: Sehr wohl ist jeder mit jedem zu vergleichen, und zwar dergestalt, dass jeder ein Minuszeichen in seinem Leben mit sich herumschleppt. Sünde ist ein Generalproblem. Ein Leben ohne Gott ist immer eine Kreuzfahrt auf dem falschen Dampfer. Es wird wie bei der Titanic sein: Man kann sich vielleicht in den Augen der Welt vorzüglich benehmen und ein gutes Bild abgeben, geht aber am Ende doch unter.
Die Juden zur Zeit Jesu waren stolz darauf, dass sie die Vorschriften Gottes peinlich genau einzuhalten versuchten. Doch Paulus sagt, dass selbst dies kein Anlass sein kann, sich darauf etwas einzubilden. Umso schlimmer: Gerade durch dieses Bemühen wird die Sünde wieder relativiert, das Drastische der Gottesferne abgeschwächt – und damit auch die Gnade wirkungslos gemacht. „Kein Mensch kann Gott gefallen. Nehmt das endlich zur Kenntnis!“, scheint Paulus zu rufen. Das ist eine extrem schlechte Nachricht, die allerdings die entscheidend gute Nachricht vorbereitet.
