Tag 29

0

2. Mose 1

Die Israeliten mussten aus Lehm Ziegel herstellen und auf den Feldern arbeiten. Der König von Ägypten erteilte den hebräischen Hebammen Schifra und Pua folgenden Befehl: „Wenn ihr den hebräischen Frauen bei der Geburt Hilfe leistet und ein Junge geboren wird, dann tötet ihn. Ist es jedoch ein Mädchen, dann lasst es am Leben.“ Aber weil die Hebammen Ehrfurcht vor Gott hatten, gehorchten sie dem König von Ägypten nicht und ließen die Jungen am Leben. Da rief der König von Ägypten die Hebammen zu sich. „Warum tötet ihr die Jungen nicht?“, wollte er wissen. „Herr“, antworteten sie ihm, „die hebräischen Frauen sind kräftiger als die ägyptischen Frauen. Noch bevor eine Hebamme zu ihnen kommt, haben sie ihr Baby bereits geboren.“ Gott segnete die Hebammen und das Volk der Israeliten wurde sehr groß und mächtig. Weil die Hebammen Ehrfurcht vor Gott hatten, schenkte er ihnen viele Kinder. Schließlich befahl der Pharao seinem ganzen Volk: „Werft alle neugeborenen hebräischen Jungen in den Nil, aber verschont die Mädchen.“

Die gleiche Kulisse wie im 1. Buch Mose, nur mit anderen Darstellern und einer völlig anderen Handlung. Jakob und seine Brüder hatten sich – auf Initiative Josefs – in einer ägyptischen Provinz angesiedelt. Die Familie hatte es sich zunächst dort gut gehen lassen und sehr vermehrt. Dann kam ein Pharao an die Macht, der kein besonders ausgeprägtes historisches Bewusstsein hatte. Diesem war nun die aufstrebende ethnische Minderheit innerhalb seines Staates suspekt. Nachdem er zunächst mit verschärfter Sklavenarbeit versucht hatte, das Volk Israel zu demotivieren (erfolglos!), griff er schließlich zum Äußersten: Alle männlichen Nachkommen sollten getötet werden. Gut, dass die Hebammen sich dem Wahnsinn geschickt widersetzt haben – ein Muster für Widerstand gegen ein Unrechtsregime. Trotzdem kommt es hier zum ersten Völkermord an den Israeliten.

Als heimatloses, aber dennoch aufblühendes Volk waren sie den Ägyptern damals ebenso verdächtig wie nachher vielen anderen Völkern – bis hin zu den Schreckenstaten des Nationalsozialismus. Menschlich gesprochen, empfanden Machthaber zu allen Zeiten die innere Unabhängigkeit der Israeliten instinktiv als etwas, was ihnen gefährlich werden könnte.