Galater 3
Aber warum wurde das Gesetz dann überhaupt gegeben? Es wurde gegeben, um den Menschen zu zeigen, dass sie schuldig sind. Doch es sollte nur bis zum Kommen des Christus bestehen bleiben, an den Gott sein Versprechen gebunden hatte. Gott gab seine Gesetze Engeln, und diese gaben sie Mose, dem Mittler zwischen Gott und dem Volk. Besteht deshalb ein Widerspruch zwischen Gottes Gesetz und Gottes Verheißung? Absolut nicht! Wenn das Gesetz uns neues Leben hätte geben können, dann wären wir vor Gott gerecht geworden, indem wir es befolgt hätten. Aber in der Schrift heißt es, dass wir alle Gefangene der Sünde sind, sodass wir Gottes Verheißung nur empfangen können, indem wir an Jesus Christus glauben. Bevor uns der Glaube an Christus als Weg gezeigt wurde, wie wir vor Gott gerecht werden können, wurden wir vom Gesetz bewacht und beschützt, bis Gott den Weg des Glaubens offenbarte.
Hier sehen wir in Bezug auf die Bedeutung des Gesetzes die Rückwärtsperspektive: Paulus sagt, dass das Gesetz den Menschen gegeben wurde, um ihm überhaupt eine Messlatte für seine Schuld zu zeigen. Unter dem Gesetz zu existieren hieß zudem, in einer Art Reservat zu leben. Alle Menschen waren Gefangene der Sünde, das Gesetz war die gute Ordnung innerhalb dieses Gefängnisses.
So nützlich es also in vielerlei Hinsicht war, so konnte es doch den Menschen nicht von Grund auf verändern. Erst der Glaube an Christus macht es uns möglich, das Gefängnis der Sünde zu verlassen, aber auch die Gefängnisordnung des Gesetzes für uns außer Kraft zu setzen.
Wir Christen neigen dazu, vorsichtshalber die Gefängnisordnung doch noch als Richtschnur für uns gelten zu lassen. Das entspricht aber nicht der Freiheit, die uns in Christus geschenkt ist und die mit einer echten Lebensveränderung einhergeht. Charles H. Spurgeon, einer der populärsten Prediger des 19. Jahrhunderts, bemerkte treffend, das Gesetz sei nicht der Hirte, dem wir folgen, sondern der Schäferhund, der uns zur Herde zurückführt, wenn wir dem Hirten Jesus nicht gehorchen.
