5. Mose 30
Dieses Gesetz, das ich euch heute gebe, ist nicht zu schwer für euch, als dass ihr es nicht verstehen und befolgen könntet. … Hört mir zu! Heute stelle ich euch vor die Wahl zwischen Gut und Böse, zwischen Leben und Tod. Ich fordere euch heute auf, den HERRN, euren Gott, zu lieben und seine Gebote, Gesetze und Vorschriften zu halten, indem ihr nach seinem Willen lebt. Dann werdet ihr am Leben bleiben und zu einem großen Volk werden. Der HERR, euer Gott, wird euch in dem Land segnen, in das ihr nun zieht, um es zu erobern. Wenn ihr jedoch nichts mehr von ihm wissen wollt, wenn ihr ihm nicht gehorcht und euch dazu verleiten lasst, anderen Göttern zu dienen und sie anzubeten, dann werdet ihr mit Sicherheit zugrunde gehen; das kündige ich euch schon heute an. Dann werdet ihr nicht lange in dem Land leben, in das ihr jetzt über den Jordan zieht, um es zu erobern. Heute stelle ich euch vor die Wahl zwischen Leben und Tod, zwischen Segen und Fluch.
Das sind klare Aussagen. Offenbar ging man in Israel davon aus, dass das Gesetz auch zu halten war. Es gelten daher keine Ausreden. Der Wille des HERRN ist nicht unbekannt, im Gegenteil: Er wurde durch vielerlei Wiederholungen eingeschärft. Es gibt die eine große Lebensalternative: Gott zu lieben und gehorchen oder ihn nicht zu beachten. Die Folgen sind ebenso klar.
Wie kommt es aber dazu, dass in derselben Bibel davon die Rede ist, dass man das Gesetz wirklich halten könne, auf der anderen Seite aber das NeueTestament klar davon ausgeht, das man ebendies nicht kann?
Erinnern wir uns an die bronzene Schlange – sie war eine gute Hilfe von Gott in einer entscheidenden Lebenssituation. Solange sie als Gabe Gottes angesehen wurde, war alles in Ordnung. Wo sich die Gabe aber verselbstständigt und sich vom Geber löst, pervertiert sich dieser Grundgedanke. Dabei kann es durchaus sein, dass die Anhänger der Schlange sich gerechtfertigt haben: „Die hat uns Jahwe doch gegeben!“
Ähnlich ist es mit dem Gesetz. Losgelöst vom Gesetzesstifter ist das Gesetz tot. Es lebt nur von der Gemeinschaft mit Gott. Aber viele Juden hatten die Gemeinschaft aufgekündigt oder das Gesetz so stark mit eigenen Bestimmungen überfrachtet, dass es von der guten Gabe Gottes zur unerträglichen Last wurde.
