2. Samuel 11 und 12 in Auszügen
An einem Spätnachmittag erhob sich David von der Mittagsruhe und ging auf dem Dach des Palastes umher. Da fiel sein Blick vom Dach aus auf eine außergewöhnlich schöne Frau, die gerade ein Bad nahm. Er schickte einen Diener los, der herausfinden sollte, wer die Frau war. Man sagte ihm: „Es ist Batseba, die Tochter von Eliam und Frau des Hetiters Uria.“ Da ließ David sie holen; und als sie in den Palast kam, schlief er mit ihr. Danach kehrte sie nach Hause zurück. Als Batseba merkte, dass sie schwanger war, ließ sie es David mitteilen. … Am nächsten Morgen schrieb David einen Brief an Joab, den er Uria mitgab. Der Brief enthielt folgende Anweisung: „Schick Uria in die vordersten Reihen, wo der Kampf am heftigsten ist. Dann zieht euch von ihm zurück, sodass er getötet wird.“ Joab wusste, wo die stärksten Krieger des Feindes kämpften und so setzte er Uria genau an dieser Stelle ein. Als dann die belagerten Ammoniter Joab angriffen, wurde der Hetiter Uria zusammen mit mehreren anderen von Davids Kriegern getötet. …
Da sandte der HERR Nathan zu David. Als dieser zu David kam, sagte er: „In einer Stadt lebten zwei Männer. Der eine war reich, der andere arm. Der Reiche besaß viele Schafe und Rinder. Der Arme hatte nichts außer einem kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es zusammen mit seinen Kindern auf. Es aß vom Teller des Mannes, trank aus seinem Becher und es schlief in seinen Armen. Er behandelte es wie eine Tochter. Eines Tages kam ein Gast in das Haus des reichen Mannes. Doch statt ein Lamm oder ein Rind aus seiner eigenen Herde für den Gast zu schlachten, nahm er das Lamm des Armen, schlachtete es und setzte es seinem Gast vor.“ David wurde sehr zornig über diesen Mann. „So wahr der HERR lebt“, schwor er, „wer so etwas tut, verdient den Tod! Er muss dem Armen vier Lämmer für das eine geben, das er ihm, ohne auch nur das geringste Mitleid zu zeigen, geraubt hat.“ Da sagte Nathan zu David: „Du bist dieser Mann!“
Kommen wir zu einer der pikantesten und für einen Streiter Gottes peinlichsten Geschichten der Bibel. Da das Internet damals noch nicht so verbreitet war, surft David auf dem Dach seines Hauses nach dem Mittagsschläfchen ein wenig umher. Man wundert sich ohnehin, dass er hier so dem Müßiggang frönt, denn sein Volk befindet sich ja im Krieg.
Da bleibt sein Blick an der hochattraktiven Batseba hängen. Eine schöne Frau sehen und mit ihr schlafen – dazu braucht die Bibel hier drei Verse. Und einen Vers später ist die Frau schwanger. Es folgen einige abgefeimte Vertuschungsversuche.
David beordert den Gatten Uria nach Hause, damit er mit seiner Frau auch noch schläft – doch der verweigert dies beim ersten Mal soldatisch diszipliniert. Beim zweiten Mal versucht David, ihn ordentlich abzufüllen und anschließend betrunken zu ihr zu schicken. Doch selbst hackedicht erweist sich Uria in Bezug auf Sex als nüchterner als David ohne Alkohol.
Da bleibt David nichts anderes übrig, als Uria den Befehl zu geben, an der Front als Kanonenfutter zu fungieren. Mit Erfolg – und nach der Trauerzeit sieht man Batseba Seite an Seite mit David im Palast.
Doch dann kam der zweite große Auftritt Nathans des Weisen – zwar nicht wie der Namensvetter im Lessing-Drama mit der Ringparabel, aber mit der Schafsparabel. Mit einer simplen Gleichnisgeschichte schafft er es, David aus der Reserve zu locken und alles zuzugeben. David ist erschüttert und tut Buße, doch zur Strafe muss das gemeinsam mit Batseba gezeugte Kind sterben.
Schuld zieht immer Schuld nach sich, das wird in dieser Geschichte nur allzu deutlich. Und ebenso klar wird, dass Gott Sünden vergibt, dass aber deren negative Folgen einem nicht immer erspart bleiben.
