Tag 132

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1. Könige 3

Etwas später kamen zwei Prostituierte zum König und stellten sich vor ihn. „Bitte, mein Herr“, begann die eine, „diese Frau und ich wohnen im selben Haus. Ich habe ein Kind geboren, während sie bei mir war. Drei Tage später bekam sie ebenfalls ein Kind. Wir waren ganz allein im Haus, niemand sonst war bei uns. Aber ihr Kind starb in der Nacht, denn sie hat es erdrückt. Da stand sie nachts auf und nahm mir meinen Sohn weg, während ich schlief. Sie legte mir ihr totes Kind in die Arme und nahm meines zu sich. Am Morgen, als ich aufstand und meinen Sohn stillen wollte, war er tot! Doch als ich ihn mir im Morgenlicht genauer ansah, merkte ich, dass es gar nicht der Sohn war, den ich geboren hatte.“ Da fiel ihr die andere Frau ins Wort: „Nein, mein Sohn lebt und dein Sohn ist tot.“ „Nein“, sagte die erste Frau, „das tote Kind ist deins und das lebende ist meins.“ Und so ging es hin und her vor dem König.

Da sagte der König: „Diese sagt: ,Mein Sohn lebt und deiner ist tot.‘ Die andere aber sagt: ,Nein, dein Sohn ist tot und meiner lebt.‘“ Dann fuhr er fort: „Bringt mir ein Schwert.“ Man brachte dem König ein Schwert. Dann sagte er: „Teilt das lebende Kind in zwei Teile und gebt jeder dieser Frauen eine Hälfte!“ Da schrie die Mutter des lebenden Kindes voller Mitgefühl zum König: „Bitte, mein Herr! Gebt ihr das lebende Kind – aber tötet es nicht!“ Die andere Frau jedoch sagte: „Es soll weder dir noch mir gehören; teilt es.“ Da sprach der König: „Tötet es nicht, sondern gebt das lebende Kind der ersten Frau, denn sie ist seine Mutter!“ Als die Israeliten von diesem Urteil hörten, das der König gefällt hatte, fürchteten sie den König, denn sie sahen, dass Gott Salomo Weisheit gegeben hatte, um gerechte Urteile zu fällen.

Das ist eine sehr bekannte Geschichte von Salomos Weisheit. In der Tat war die Situation ja prekär. Was hätte man durch eine einseitige Festlegung der Lage nicht alles anrichten können! Und als König kann man sich auch nicht – wie wir manchmal – um eine Entscheidung herumstehlen. Da ist guter Rat nicht nur teuer, sondern gar nicht zu kriegen. Aber wir wissen ja, dass Salomo andere Quellen hat, aus denen er seine Weisheit holt. Und daher kommt es zum berühmten salomonischen Urteil.

Allerdings: Hier korrespondiert die Weisheit Salomos offensichtlich mit einer unterbelichteten Person, nämlich der Mutter des toten Kindes. Wer gibt denn im realen Leben schon so einen blöden Satz von sich wie: „Dann teilt das Kind!“? Merkwürdig auch: Der Text lässt offen, welche Frau nun eigentlich gelogen bzw. wie sich der Sachverhalt tatsächlich zugetragen hat.

Was weiterhin auffällt: Das salomonische Urteil ist zwar weise, aber keinesfalls so, dass alle versöhnt lächelnd den Gerichtssaal verlassen, wie wir es mit diesem Begriff verbinden. Bei uns ist ein salomonisches Urteil eine schiedlich-friedliche Lösung, hier steht eine Person im Regen. Es kann immer Menschen geben, die auch mit der von Gott geschenkten Weisheit nicht zufrieden sind.