1. Könige 3
In dieser Nacht in Gibeon erschien der HERR Salomo im Traum. Gott sprach: „Was willst du haben? Bitte, und ich werde es dir geben!“ Salomo antwortete: „Du hast deinem Diener David, meinem Vater, so viel Gutes getan, weil er ehrlich und wahrhaftig und dir von Herzen treu war. Diese Güte hat bis heute Bestand, denn du hast ihm einen Sohn geschenkt, der nun auf seinem Thron sitzt. HERR, mein Gott, nun hast du deinen Diener an Stelle meines Vaters David zum König gemacht. Aber ich bin im Grunde noch ein Kind, das nicht weiß, was es tun soll. Hier stehe ich inmitten deines erwählten Volkes, das so groß ist, dass niemand es mehr zählen kann! Schenk deinem Diener ein gehorsames Herz, damit ich dein Volk gut regiere und den Unterschied zwischen Gut und Böse erkenne. Denn wer könnte dieses große Volk, das dir gehört, regieren?“ Dem HERRN gefiel Salomos Antwort, und er freute sich, dass er ihn um Weisheit gebeten hatte. Deshalb sprach Gott zu ihm: „Dies war deine Bitte, und nicht ein langes Leben oder Reichtümer für dich selbst oder der Tod deiner Feinde. Darum will ich dir geben, worum du mich gebeten hast! Ich schenke dir Weisheit und Verstand, wie kein Mensch vor dir sie besaß und keiner sie mehr besitzen wird. Und darüber hinaus gebe ich dir, worum du mich nicht gebeten hast – Reichtum und Ehre. Dir wird kein König gleichkommen solange du lebst. Und wenn du mir gehorchst und meine Gesetze und Gebote hältst, wie dein Vater David es getan hat, schenke ich dir auch ein langes Leben.“
David war gestorben. Nun war sein Sohn Salomo König geworden, und der hatte sehr starke und sehr schwache Seiten. Vor allem hatte er eine Schwäche für die Damenwelt: Er pflegte ein vergleichsweise lockeres Verhältnis zu Frauen aus anderen Nationen (zum Beispiel heiratete er die Tochter des Pharaos – später kam es in dieser Hinsicht noch viel dicker). Aber immerhin kann er in jungen Jahren dazu stehen, dass die Aufgabe des Vaters für ihn eine Schuhnummer zu groß ist. Mehr noch: Er fleht Gott an, dass dieser ihm doch die nötige Weisheit schenkt, mit dieser Überforderungssituation umzugehen.
Es gibt Gebete, die braucht man Gott nicht zweimal vorzutragen, und das Gebet um Weisheit ist so eins. Warum? Wenn man Gott um Weisheit bittet, heißt das, dass man bereit ist, seine eigene Weisheit vertrauensvoll in die Hände Gottes zu legen. Offenbar liegt auf einer solchen Bitte Segen, denn als „Bonus“ dieser Gebetserhörung erhält Salomo Reichtum und Ehre obendrauf.
Daraus lässt sich (leider oder glücklicherweise) kein Mechanismus ableiten, nach dem Motto: „Bitte Gott um Weisheit, dann kommst du auch zu Geld!“ Was aber dennoch gesagt werden kann: Wer sich in seinem Denken so abhängig von Gott macht, wird von ihm nicht im Stich gelassen, sondern gesegnet.
