Tag 138

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1. Könige 12

Jerobeam baute die Stadt Sichem im Gebirge Ephraim aus und ließ sich dort nieder. Später zog er von dort fort und baute die Stadt Pnuël. Jerobeam dachte sich: „Nun wird die Herrschaft wieder an das Geschlecht Davids zurückfallen. Wenn die Menschen nach Jerusalem gehen, um im Haus des HERRN zu opfern, werden sie sich auch wieder ihrem Herrn, König Rehabeam von Juda, unterwerfen. Dann werden sie mich umbringen und sich wieder Rehabeam, dem König von Juda, zuwenden.“ So überlegte der König. Deshalb ließ er zwei goldene Kälber anfertigen und sagte zum Volk: „Es macht euch zu große Umstände, wenn ihr nach Jerusalem gehen müsst. Seht her, dies sind eure Götter, die euch aus Ägypten herausgeführt haben!“

In der vorangegangenen Erzählung konnte Jerobeam noch als Punktsieger auftrumpfen (und hatte nicht auch Gott seine Hand im Spiel? Man denke an den Mantel des Ahija!). Und nun gibt es eine Watsche für all die, die geglaubt hatten, hier sei einer, der wieder ganze Sache mit Jahwe macht. Jerobeam entblödet sich nicht, zwei goldene Kälber als neue Götterbilder zum Gegenstand der Anbetung zu machen. Man lernt aus der Geschichte, dass man aus der Geschichte nichts lernt.

Offenbar war Jerobeam ein Machtpolitiker. Die Errichtung der Kälber hatte vor allem ein Ziel: das Volk im eigenen Territorium religiös auszulasten. Gibt es im eigenen Land geistliche Vergnügungszentren, so kann man sich den Weg nach Jerusalem sparen. Das wäre ja auch gefährlich. Welche Allianzen da geschmiedet werden könnten! Ist es merkwürdig, dass das Volk dies so ohne weiteres mitmacht? Nein, es ist eigentlich völlig normal, wenn ein Volk sehr schnell demagogischer Politik zum Opfer fällt. Und wenn man erst einmal in Richtung der Machthaber genordet ist, erscheint einem selbst das Fadenscheinigste noch konsequent und richtig.

Jerobeam aber wurde für die kommenden Jahrhunderte geradezu ein Vorbild, wie man es nicht macht. Denn auch bei späteren Königen ist in der Bibel immer wieder davon die Rede, dass sie es „der Sünde Jerobeams“ gleichtaten.