Tag 198

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2. Könige 21

Manasse war zwölf Jahre alt, als er König wurde, und er regierte 55 Jahre in Jerusalem. Seine Mutter war Hefzi-Bah. Manasse tat, was dem HERRN missfiel. Er ahmte all die abscheulichen Praktiken der Völker nach, die der HERR vor den Israeliten vertrieben hatte. … Und er baute den Mächten des Himmels Altäre und stellte sie in beiden Vorhöfen des Hauses des HERRN auf. Schließlich opferte Manasse sogar seinen eigenen Sohn im Feuer. Außerdem trieb er Zauberei und Beschwörung, befragte Totengeister und Wahrsager. So tat er vieles, was dem HERRN missfiel, um ihn zu kränken. Manasse vergoss so viel unschuldiges Blut, dass ganz Jerusalem voll davon war.

„Wie der Vater so der Sohn“ ist eine Lebensweisheit, mit der die Bibel schlechterdings nichts anfangen kann. Samuel hatte missratene Söhne, Davids Söhne waren – vorsichtig ausgedrückt – auch keine Musterknaben und Manasse tat dermaßen das Gegenteil seines Vaters Hiskia, dass es jeder Beschreibung spottet.

Man könnte annehmen, dass Gott angesichts der beschriebenen Gräuel mit Manasse ein schnelles Ende gemacht hat, aber nichts dergleichen: Kein anderer König in der Nachfolge Davids im Nordoder Südreich regierte so lange: mit allem Drum und Dran 55 Jahre (davon zehn Jahre an der Seite seines Vaters).

Die Schilderungen der Bibel könnten drastischer nicht sein. Alles, was den Jahwe-Gläubigen heilig ist, trat er mit Füßen; in punkto Okkultismus fuhr er volles Programm, und im Götzendienst tat er das Schlimmste, was möglich war: Er opferte seinen Sohn. Interessant: Er tat das nicht etwa, weil er vielleicht besonders an die Wirksamkeit der Göttin Aschera glaubte, sondern „um den HERRN zu kränken“!

Manasse hat also auch in gewissem Sinne an Jahwe geglaubt. Aber er wollte es ihm wohl zeigen. Wir Menschen geben manchmal ein jämmerliches, ja schlimmes Bild ab: Wir sündigen „auf Teufel komm raus“ und werden Gott doch nicht los: Das demonstrative Reißen an unseren Ketten wird geradezu zu einem Beweis dafür, dass wir unsere Bindung an Gott nicht aufgeben können. Immerhin gibt es Hoffnung: Auf seine alten Tage hat Manasse doch noch die Kurve gekriegt und sich Gott wieder zugewandt. Die Langmut Gottes hat schlussendlich zu einem guten Ende geführt.