Tag 223

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Ester 1 in Auszügen

Am siebten Tag des Festes, als König Ahasveros schon vom vielen Wein in heiterer Stimmung war, befahl er, Königin Waschti zu sich zu holen. Sie sollte ihre Königskrone tragen, um den Burgbewohnern und Fürsten ihre Schönheit vorzuführen, denn sie war eine sehr hübsche Frau. Doch als die Eunuchen Königin Waschti den Befehl des Königs überbrachten, weigerte sie sich zu kommen. Das erboste den König und sein Gesicht rötete sich vor Zorn. Er besprach sich mit seinen Beratern, die sich in Rechtsfragen auskannten. „Was muss nach dem Gesetz mit Königin Waschti geschehen?“, fragte der König. Memuchan antwortete dem König und den Fürsten: „Königin Waschti hat sich nicht nur gegen den König, sondern auch gegen alle Fürsten und Bürger in allen Provinzen des Königs Ahasveros verfehlt. Wenn das Verhalten der Königin bekannt wird, werden die Frauen überall anfangen, die Achtung vor ihren Männern zu verlieren. Wenn es Ihrer Majestät gefällt, schlagen wir vor, dass Sie ein Dekret erlassen und ein schriftliches Gesetz der Perser und Meder anordnen, das nicht aufgehoben werden darf. Dieses Gesetz soll Königin Waschti für immer aus der königlichen Gegenwart verbannen und festlegen, dass ihre Königswürde einer anderen gegeben wird, die würdiger ist als sie. “

Der persische König hatte offensichtlich Spendierhosen in Übergröße. Er schmeißt eine gewaltige Party für seinen ganzen Staatsapparat, und die dauert ein halbes Jahr. Da drängt sich die Frage auf, ob zumindest diese Beamten nicht überflüssig waren, wenn sie ein halbes Jahr für eine Riesenfete außer Dienst sein konnten. Anschließend gab es immerhin noch ein siebentägiges Gelage für alle anderen Burgbewohner. Auch die Königin hatte parallel eine Damensitzung ähnlichen Ausmaßes.

Allerdings kommt es am letzten Festtag zu einer Ehekrise: Die Königin weigert sich, ihrem angeheiterten Gemahl Folge zu leisten und als Ausstellungsstück für eine Horde Besoffener zu fungieren. Aus heutiger Sicht verständlich – damals ein ungeheurer Skandal.

Nun fand das Ganze ja nicht im kleinen ehelichen Rahmen, sondern coram publico statt. Alle Welt wusste nun, dass die Königin auf die Anweisungen ihres Gatten offensichtlich pfeift. Die Ehewird zur Staatskrise und zum Thema im Kabinett. Flugs wird ein Gesetz erlassen, das die Königin entthront. Ein Exempel für alle aufmüpfigen Ehefrauen im Land.

Die bloße Berichterstattung dieser Begebenheit lässt wenig Sympathie für den Chauvi Ahasveros aufkommen, zeigt aber, dass es auch in der Antike nicht immer so verlief, dass die Könige ihren Willen durchsetzten und machen konnten, was sie wollten. Und die emanzipierte Waschti macht den Weg frei für die nicht minder emanzipierte Ester.