Tag 224

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Ester 2

Mordechai hatte eine Cousine mit Namen Hadassa, auch Ester genannt. Er war ihr Vormund, denn sie hatte weder Vater noch Mutter. Die junge Frau hatte eine schöne Figur und ein hübsches Gesicht. … Als auf den Erlass des Königs hin viele junge Frauen in der Burg Susa unter der Aufsicht von Hegai versammelt wurden, wurde auch Ester an den Königshof gebracht und in die Obhut des Haremswächters Hegai gegeben. Sie gefiel ihm und erwarb sich seine Gunst. Er ließ ihr besonderes Essen servieren und tat alles, um ihre Schönheit durch sorgfältige Pflege zu vervollkommnen. Darüber hinaus stellte er ihr sieben ausgewählte Dienerinnen aus dem Palast des Königs zur Verfügung und wies ihr und ihren Dienerinnen die beste Wohnung im Harem zu. Ester hatte keinem Menschen von ihrem Volk und ihrer Herkunft erzählt, denn Mordechai hatte ihr befohlen darüber zu schweigen. … Der König liebte sie mehr als alle anderen Frauen. Sie erwarb sich mehr Gunst und Liebe als die anderen Jungfrauen, deshalb setzte Ahasveros ihr die Königskrone auf und machte sie an Waschtis Stelle zur Königin.

Ohne Königin lässt sich schlecht repräsentieren, und so hat auch der reputationsmäßig angeschlagene Ahasveros nicht vor, sein Dasein fürderhin als Hagestolz zu fristen. Darum findet er die Idee eines Castings gut: „Persien sucht die Schönheits-Königin.“

Unter den versammelten Schönheiten findet sich dann auch Ester, die Jüdin ist, was aber keiner weiß. Das kosmetische Programm, das die Kandidatinnen zu absolvieren hatten, stellte dabei jede Schönheitsfarm in den Schatten. Und dann ist es so weit: Ausgerechnet die Jüdin Ester ist die Auserkorene.

Durch die Geschichte der Juden im Exil hindurch können wir immer wieder beobachten, dass auch Juden zu gewissem Einfluss kamen. Sie haben sich nicht separatistisch abgeschottet, sondern an den Staatsgeschäften beteiligt. Nehemia war Mundschenk des Königs, also einer seiner engsten Vertrauten, Daniel zur Zeit der Babylonier ein Berater Nebukadnezars. Dabei gab es sicherlich Konflikte im Hinblick auf die Glaubenspraxis, wie wir vor allem bei Daniel sehen. Nun wird eine Jüdin gar zur Königin. Das geschieht zwar inkognito – der König hätte das von sich aus wohl kaum getan –, zeigt aber, dass den Juden das nicht generell verboten war.

Gott macht manchmal Christen den Weg frei auf die höchste Ebene, um dort für ihn die Fahne hochzuhalten. Nutzen wir diese Chancen, auch wenn sie mit gewissen Gefahren verbunden sind?