Tag 117

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1. Samuel 21 in Auszügen

Weil kein anderes Brot zur Verfügung stand, gab der Priester ihm das heilige Brot. Diese Schaubrote, die dem HERRN im Heiligtum geweiht wurden, waren gerade an diesem Tag durch frisches Brot ersetzt worden. … David fragte Ahimelech: „Hast du vielleicht einen Speer oder ein Schwert? Der Auftrag des Königs war so dringend, dass ich nicht einmal Zeit hatte, eine Waffe mitzunehmen.“ „Ich habe nur das Schwert des Philisters Goliat, den du im Tal der Eichen getötet hast“, antwortete der Priester. „Es liegt in einen Mantel gewickelt hinter dem Priesterschurz. Nimm es, wenn du willst, denn etwas anderes gibt es hier nicht.“ „Ein besseres Schwert gibt es nicht“, sagte David. „Gib es mir!“ So floh David weiter vor Saul und ging zu König Achisch von Gat. Doch dessen Diener sagten zu Achisch: „Ist das nicht David, der König des Landes? Ist das nicht der, zu dessen Ehre das Volk getanzt und gesungen hat: ,Saul hat Tausende getötet, aber David Zehntausende‘?“ David hörte diese Worte und fürchtete sich vor der Reaktion König Achischs von Gat. Deshalb gab er vor, wahnsinnig zu sein, kritzelte an die Türen und sabberte in seinen Bart. Schließlich sagte König Achisch zu seinen Männern: „Musstet ihr einen Verrückten zu mir bringen? Haben wir nicht schon genug davon hier? Meint ihr, ihr musstet auch diesen noch zu mir bringen, damit er hier bei mir tobt? Warum sollte so jemand mein Gast sein dürfen?“

David tut mehrere bemerkenswerte Dinge. Er sucht den Priester Ahimelech auf: Dieser gibt ihm von den (eigentlich den Priestern vorbehaltenen) Schaubroten des Heiligtums zu essen. Dann lässt er sich von ihm das Schwert des Goliat als Waffe geben (war sicher auch ursprünglich nicht so gedacht) und dann zieht David zu den Philistern und mimt (nachdem ein Inkognito nicht mehr möglich war) den Wahnsinnigen, wird aber davongejagt.

Vorsichtig ausgedrückt: David benimmt sich hier nicht politisch korrekt und vom rein moralischen Standpunkt aus würden manche christlichen Ethikexperten hier die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Warum darf David eigentlich so gegen gesetzlich-moralische Vorschriften und Tugenden verstoßen?

Im Neuen Testament wird David von Jesus in Bezug auf die Schaubrote sogar ausdrücklich verteidigt und dessen Beispiel gegen die Gesetzlichkeit der Pharisäer zu Felde geführt (Matthäus 12,3-4). Und gleich zwei Psalmen sind uns aus diesem Lebensabschnitt Davids überliefert. Gerade Psalm 34 ist einer der Psalmen, deren Worte man mit am häufigsten hört.

Was ist daraus zu schließen? Es gibt oberhalb des Gesetzes, oberhalb der Moral und oberhalb der politischen Korrektheit einen lebendigen Gott. Wenn man sich an diesen gebunden weiß (und nur dann), kann man Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzen, die man normalerweise vielleicht eher respektieren würde.