Tag 130

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2. Samuel 18 und 19 in Auszügen

In der Schlacht traf Absalom unerwartet auf einige von Davids Männern. Er versuchte auf seinem Maultier zu fliehen, doch als er unter den dicken Ästen einer großen Eiche hindurchritt, verfing sein Haar sich im Geäst. Sein Maultier lief weiter und er blieb zwischen Himmel und Erde in der Luft hängen. Einer von Davids Männern war Zeuge des Vorfalls und meldete Joab: „Ich habe Absalom gesehen. Er hängt an einer Eiche fest.“ … „Schluss jetzt, ich habe genug Zeit mit dir vergeudet“, sagte Joab. Dann nahm er drei Dolche und stieß sie Absalom ins Herz, während dieser, noch immer am Leben, hilflos an der Eiche festhing. Danach umringten zehn junge Waffenträger Joabs Absalom, schlugen und töteten ihn. … Und er sagte zu einem Mann aus Kusch: „Geh und sag dem König, was du gesehen hast.“ Der Mann verneigte sich vor Joab und lief los. Da traf der Mann aus Kusch ein und sagte: „Ich habe gute Nachrichten für meinen Herrn, den König. Der HERR hat dir heute den Sieg gegeben über alle, die sich gegen dich erhoben haben.“ „Was ist mit meinem Jungen, mit Absalom?“, fragte der König. „Geht es ihm gut?“ Der Kuschiter antwortete: „So wie ihm sollte es allen deinen Feinden ergehen, allen, die dir Böses wollen und sich gegen dich erheben!“ Da wurde der König von seinen Gefühlen überwältigt. Er stieg hinauf in das Zimmer über dem Tor und weinte. Noch im Gehen klagte er: „Mein Sohn Absalom! Mein Sohn, mein Sohn Absalom! Wäre ich doch nur an deiner Stelle gestorben! Absalom, mein Sohn, mein Sohn!“

Dem Richter Simson ist es seinerzeit zum Verhängnis geworden, dass er sich die Haare hat schneiden lassen. Hier haben wir das Gegenteil: Wäre Absalom nämlich zum Friseur gegangen, wäre die Sache womöglich glimpflicher für ihn verlaufen.

Aber wie kommt es überhaupt zu dem eher merkwürdigen Umstand, dass David nun gegen seinen Sohn und sogar gegen sein eigenes Volk kämpft? Die in der Bibel sehr ausführlich geschilderte Vorgeschichte sei hier nur kurz skizziert: Nach dem Rachemord an seinem Halbbruder Amnon zog sich Absalom drei Jahre zurück. David trauerte zunächst lange um seinen Erstgeborenen. Jedoch: Zeit heilt zwar keine Wunden, lässt aber Gras über eine Sache wachsen. Und plötzlich merkte der König sogar, dass er Absalom vermisste. Davids Heerführer Joab erwies sich als psychologischer Blitzmerker: Er engagierte eine Frau, damit diese mit einem kleinen Theaterstück dem König half, über seinen Schatten zu springen und Absalom wieder Zutritt zum König zu verschaffen. Das durchschaute David zwar, aber dennoch gelang der Plan: Absalom und David schienen sich zu arrangieren.

Allerdings hatte Absalom anderes vor: Er fing Leute, die David wegen ihrer Rechtshändel aufsuchen wollten, ab und sagte zu ihnen: „Bei Hof wird keiner für dich Zeit haben, aber wenn ich Richter wäre …“ Offenbar zündete diese vordergründige Masche. Denn nach vier Jahren Maulwurfsarbeit bekam Absalom 200 Mann zusammen, die bereit waren, seinen Plan auch in die Tat umzusetzen: David zu stürzen. Der König musste aus Jerusalem fliehen.

Es kam zu einigen Wirren: Ein prominenter Ratgeber Davids schlug sich auf die Seite Absaloms, und David schickt im Gegenzug seinen Agenten Huschai ins Lager Absaloms.

Schließlich kommt es zur entscheidenden Szene: Aufgrund der Tätigkeit Huschais gelingt es David, sein Heer so vorzubereiten, dass Absalom geschlagen wird. Er verfängt sich mit seinen langen Haaren in einer Baumkrone und wird dann von Männern aus dem Heer getötet.

Die Absalom-Geschichte zeigt die Liebe eines Vaters zu seinem Sohn, obwohl dieser keinen Wert darauf legt und gegen seinen Vater arbeitet. Auch in christlichen Häusern wenden Kinder sich gegen ihre Eltern. Manchmal gibt es wie hier kein Happy End. Auch das muss leider ausgehalten werden. Denn wenn es keine Versöhnung gibt, liegt selbst über den größten Siegen ein dunkler Schatten.