Hiob 2
Hiob hatte drei Freunde: Elifas aus Teman, Bildad aus Schuach und Zofar aus Naama. … Dann saßen sie sieben Tage und Nächte lang bei Hiob auf dem Boden. Keiner sagte ein Wort zu ihm, denn sie sahen, dass sein Leid zu groß war für Worte. Da antwortete Elifas aus Teman: „Wirst du mir geduldig zuhören, wenn ich es wage, ein Wort an dich zu richten? Denn ich kann nicht länger schweigen. … An deiner Stelle würde ich mich an Gott wenden und meine Sache in seine Hände legen. Wie gut hat es ein Mensch, der von Gott auf den richtigen Weg zurückgebracht wird! Wehre dich also nicht dagegen, wenn der Allmächtige dich erzieht. Denn er fügt zwar Wunden zu, aber er verbindet sie auch. Er zerschlägt, aber seine Hände heilen auch. Dies alles haben wir erforscht und so ist es. Hör auf meinen Rat und nimm ihn dir zu Herzen.“ Da antwortete Hiob: „Wie lange wollt ihr mich noch quälen und mit euren Worten auf mich einschlagen? Zehn Mal habt ihr mich nun beschimpft. Ihr misshandelt mich ohne euch zu schämen. Und selbst wenn ich gesündigt hätte, wäre das allein meine Sache. Wenn ihr wirklich über mich triumphieren wollt, dann legt mir dar, wofür ich mich schämen soll. Ihr müsst doch sehen, dass Gott mir Unrecht tut! Er hat sein Netz rings um mich ausgeworfen.“
Eigentlich hat Hiob wirklich gute Freunde. Sie nehmen Anteil an seinem Leiden, trauern mit ihm und stehen ihm in seinem unfassbaren Leid persönlich zur Seite. Sie nehmen sich Zeit, mit ihm gemeinsam die Geschehnisse zu verarbeiten. Wo gibt es so etwas schon? Die meisten Menschen müssen mit weniger Trostpotenzial auskommen. Zudem sind die Hiob-Freunde auch noch offenbar gebildete und lebenskluge Menschen, denn was sie sagen, steht auf einem recht hohen Reflexionsniveau.
Allerdings: Sie können Hiob nicht helfen, sie nerven ihn geradezu. Ihre Argumentation ist zwar teilweise geschliffen, wirkt aber bei allem Bemühen siebengescheit. Hiob spürt: Was die Freunde sagen, trifft nicht den Kern; es scheint geistlich korrekt zu sein, ist es aber nicht wirklich.
Es gibt Situationen, da richten geistliche Richtigkeiten mehr Schaden an, als sie nützen. Vielleicht hätten die Freunde besser daran getan, einfach nur da zu sein. Gott bewahre uns davor, für das Unfassbare törichte Erklärungsversuche zu formulieren, und er bewahre uns auch davor, im Leid solchen Erklärungsversuchen selbst ausgesetzt zu sein.
