Hiob 42
Da antwortete Hiob dem HERRN: „Nun weiß ich, dass du alles kannst, kein Vorhaben ist für dich undurchführbar. ,Wer ist es, der Gottes weisen Plan ohne Verstand verdunkelt?‘ Ja, ich habe in Unkenntnis über Dinge geurteilt, die zu wunderbar für mich sind, ohne mir darüber im Klaren zu sein. Du hast gesagt: ,Hör zu, ich will reden! Ich will dir Fragen stellen, und du sollst sie mir beantworten.‘ Bisher kannte ich dich nur vom Hörensagen, doch jetzt habe ich dich mit eigenen Augen gesehen. Darum widerrufe ich, was ich gesagt habe, und bereue in Staub und Asche.“ Nachdem der HERR seine Rede an Hiob beendet hatte, sagte er zu Elifas aus Teman: „Ich bin zornig auf dich und deine beiden Freunde, denn ihr habt nicht richtig von mir gesprochen, im Gegensatz zu meinem Diener Hiob. Nehmt sieben junge Stiere und sieben Widder und geht zu meinem Diener Hiob und bringt ein Brandopfer für euch dar. Mein Diener Hiob soll für euch beten. Nur seinetwegen will ich euch eure Unbesonnenheit nicht anrechnen, denn ihr habt nicht richtig von mir gesprochen, im Gegensatz zu meinem Diener Hiob.“
Da lebt ein Mann ein offenbar segensreiches Leben mit Gott, gerät in eine schwere Krise und kommt aus dieser heraus mit der Aussage, dass er Gott bislang nur vom Hörensagen gekannt hat. Eigentlich ist dies doch ziemlich merkwürdig: Sein Glaube ist ja keineswegs oberflächlich gewesen, sondern im Gegenteil so verbindlich, dass er im Himmel als Vorzeigefrommer geführt wurde.
Man erlebt Gott letztlich nur an der Grenze der eigenen Möglichkeiten. Sicher: Wir wissen, dass Gott auch auf den Gipfeln und in den Mittelgebirgen unseres Lebens bei uns ist, aber existenziell bewusst wird uns dies erst im Tal. Würden wir nur auf Höhen wandern, würden wir Gott vermutlich nicht wirklich kennenlernen.
Im Bild gesprochen: Wer sich ein Bein gebrochen oder eine andere Gehbehinderung hat, der bekommt in der Regel zwei Gehhilfen. So auch wir als Christen. Die eine Gehhilfe sind die ermutigenden Dinge, die uns Gott schenkt: der spürbare Segen, das Versorgen Gottes, seine Liebe. Die andere Gehhilfe sind aber die Krisen, die Not, das Leid, die Anfechtung, die wir erleben. Nur beide zusammen helfen, damit wir richtig „gehen“!
