Tag 177

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Psalm 139

Herr, du hast mein Herz geprüft und weißt alles über mich.
Wenn ich sitze oder wenn ich aufstehe, du weißt es.
Du kennst alle meine Gedanken.
Wenn ich gehe oder wenn ich ausruhe, du siehst es und bist mit allem, was ich tue, vertraut.
Und du, Herr, weißt, was ich sagen möchte,
noch bevor ich es ausspreche.
Du bist vor mir und hinter mir
und legst deine schützende Hand auf mich.
Dieses Wissen ist zu wunderbar für mich, zu groß, als dass ich es begreifen könnte!
Wohin sollte ich fliehen vor deinem Geist,
und wo könnte ich deiner Gegenwart entrinnen?
Flöge ich hinauf in den Himmel, so bist du da;
stiege ich hinab ins Totenreich, so bist du auch da.
Nähme ich die Flügel der Morgenröte
oder wohnte am äußersten Meer,
würde deine Hand mich auch dort führen
und dein starker Arm mich halten.
Bäte ich die Finsternis, mich zu verbergen,
und das Licht um mich her, Nacht zu werden –
könnte ich mich dennoch nicht vor dir verstecken;
denn die Nacht leuchtet so hell wie der Tag
und die Finsternis wie das Licht.
Du hast alles in mir geschaffen
und hast mich im Leib meiner Mutter geformt.
Ich danke dir,
dass du mich so herrlich und ausgezeichnet gemacht hast! Wunderbar sind deine Werke, das weiß ich wohl.
Du hast zugesehen, wie ich im Verborgenen gestaltet wurde, wie ich gebildet wurde
im Dunkel des Mutterleibes.
Du hast mich gesehen, bevor ich geboren war. …
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz,
prüfe mich und erkenne meine Gedanken.
Zeige mir, wenn ich auf falschen Wegen gehe
und führe mich den Weg zum ewigen Leben.

„Gott sieht alles“ – das ist für viele Menschen keineswegs eine Aussage, bei denen ihnen warm ums Herz wird. Hinter solchen Aversionen steckt das Bild von Gott als einem übel gelaunten Aufpasser, der einem das Leben vergällt. „Gott sieht alles“ – das kann man aber auch ganz anders auffassen und als Chance begreifen, so wie es in diesem Gebet David tut.

David reflektiert über die allumfassende Gegenwart Gottes. Das ist aber nun keine Kapitulation vor einem allgegenwärtigen „Big Brother“, gegen den man doch nichts ausrichten kann. Eine Kapitulation ist es allerdings schon: David hat eben in seinem Leben die Erfahrung gemacht, dass Jahwe der souveräne Gott ist und dass es nichts nützt zu fliehen – wohin auch? Aber es ist eine vertrauensvolle Kapitulation: Er liefert Gott sein Herz aus, damit dieser seine tiefsten Gedanken prüft (V.23) und ihm einen gangbaren Weg zeigt (V.24). So wird dieser Psalm zu einem Text, der uns auf ganz intime Weise an einem Gott hingegebenen Leben teilnehmen lässt.