Sprüche 1
Mein Sohn, höre auf die Zurechtweisung deines Vaters und lehne nicht ab, was deine Mutter dich lehrt. Was du von ihnen lernst, ist wie eine schöne Krone für deinen Kopf und wie eine Kette für deinen Hals. Mein Sohn, wenn Sünder dich verführen wollen, dann gib der Versuchung nicht nach! Vielleicht sagen sie: „Komm doch mit uns. Wir wollen uns verstecken und auf jemanden warten, den wir umbringen können. … Denke nur, was für kostbare Reichtümer wir finden und mit welch großer Beute wir unsere Häuser füllen werden! …“ Geh nicht mit ihnen, mein Sohn! Halte dich von ihnen fern! Sie sind schnell dabei, etwas Böses zu begehen und Blut zu vergießen. Es ist sinnlos, ein Netz, mit Körnern bestreut, vor den Augen der Vögel auszuspannen – sie sehen es und fliegen davon. Doch diese Menschen legen sich selbst einen Hinterhalt, sie setzen ihr eigenes Leben aufs Spiel.
Das sind natürlich so richtig konservative Äußerungen, die man sich beispielsweise in der Pubertät überhaupt nicht anhören mag und die einem auch sonst nicht schmecken. Wer möchte schon gern belehrt und ermahnt werden, auf die Eltern zu hören? Aber ebendas ist vielleicht genau das Problem. Sicherlich hat es in den vergangenen Jahrhunderten Zeiten gegeben, in denen Eltern dafür gesorgt haben, dass sich ihre Kinder nicht entfalten konnten. Man ist selbst in der Epoche, in der man lebt, untrennbar verbunden mit dem, was einen kulturell umgibt. Dass junge Leute eine so große Freiheit genießen wie in unseren Tagen, ist bislang wohl kaum da gewesen. Heute ist eine solche Freiheit, die sich in vielen Lebensbezügen äußert, eine so selbstverständliche Größe, wie sie mancher Zwang vor einigen Jahrzehnten noch war.
Die Entwicklung zur persönlichen Freiheit ist ohne Zweifel wünschenswert und hoffentlich nicht mehr so schnell umzukehren. Dennoch – wie es bei kulturellen Umbrüchen immer der Fall ist – ist man oft versucht, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Mit der Freiheit wirft man allzu gerne das über Bord, was die Eltern oder die ältere Generation überhaupt auch Gutes mit auf den Weg geben können. Öffnen wir uns doch dem Gedanken: Menschen, die vielleicht 30, 35, 40 Jahre länger auf der Welt sind als wir, haben ein Maß an Erfahrung, mit dem wir nicht konkurrieren können. Unsere Eltern oder Großeltern können uns schon deshalb mit ihrer Weisheit helfen, weil sie uns lieben.
