Tag 188

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Hosea 1

Als der HERR zum ersten Mal zu Hosea sprach, sagte er ihm: „Geh und heirate eine Hure. Mit ihr sollst du Hurenkinder zeugen. Das ist ein Sinnbild dafür, dass das Land zur Prostituierten geworden ist: Es hat den Bund mit mir gebrochen und ist vom HERRN abgefallen.“ Da heiratete Hosea Gomer, die Tochter Diblajims. Sie wurde schwanger und schenkte Hosea einen Sohn. Und der HERR sprach zu ihm: „Nenn das Kind Jesreel, denn schon bald werde ich die Nachkommen Jehus bestrafen wegen der Blutschuld, die Jehu in Jesreel begangen hat. Dann werde ich auch dem Königtum des Hauses Israel ein Ende machen. An diesem Tag will ich im Tal von Jesreel die militärische Macht Israels brechen.“

Man vermutet falsch, wenn man meint, das Nordreich Israel sei nach den unheilvollen Ereignissen in der jüngeren Vergangenheit klüger und im Sinne des Jahwe-Glaubens frömmer geworden. Eher das Gegenteil war der Fall. Es sind vor allem die Propheten Hosea und Amos, die uns einen Einblick in die geistliche Situation dieser Zeit bieten.

Wenn man diesen Text zunächst liest, kann man es kaum glauben: Da sagt Gott zu Hosea, er solle eine Prostituierte heiraten – zum Zwecke der Gegenstandslektion für Israel. Auch Israel sei eine Hure, die jedem Götzen hinterherläuft. Du, lieber Hosea, sollst an deiner Frau demonstrieren, dass ich Israel trotzdem liebe.

Es kommt noch ärger. Auch seine Kinder werden zum Zeichen gesetzt: Die Namensgebung ist etwa so, als würde man heute seinen Sprössling statt „Gottlieb“ „Gottböse“ nennen. Das Beispiel hinkt allerdings, da heute kein Mensch mehr sein Kind „Gottlieb“ nennt (ob das wiederum gut oder schlecht ist, ist eine Frage der Betrachtungsweise). Die Kinder Hoseas jedenfalls werden sich schön bedankt haben.

Ist das nun eine Verzweiflungstat Gottes? So komisch es klingt: Ja! Gott greift tatsächlich aus Verzweiflung über Israels Untreue zum Äußersten. Es ist eine Art der Verkündigung, die uns fremd ist, aber sie zeugt von der großen Liebe Gottes zu seinem Volk.