Micha 1
Der HERR verlässt seinen Thron im Himmel und steigt herab auf die Erde. Er schreitet über die Höhen, wo die Götzen verehrt werden. Die Berge schmelzen unter seinen Füßen und die Täler spalten sich wie Wachs vor dem Feuer, wie Wasser, das den Hügel hinabfließt. Dies geschieht, weil Israel und Juda gegen Gott gesündigt haben und von ihm abgefallen sind. … „Deshalb werde ich, der HERR, die Stadt Samaria vollständig zerstören, sodass sie einem Weinberg gleicht. Die Trümmersteine werde ich ins Tal hinunterrollen und die Stadt bis auf die Fundamente niederreißen. …“ Darüber will ich klagen und heulen. Ich werde barfuß und nackt umhergehen wie jemand, der unter die Räuber gefallen ist. Ich werde heulen wie die Schakale und klagen wie die Jungen des Straußes. Denn die Wunde, die Samaria zugefügt wurde, ist unheilbar.
Sage niemand, er hätte es nicht gewusst: Der Prophet Micha – und beileibe nicht nur er – haben dem Volk Israel im Nordwie im Südreich deutlich vor Augen gemalt, was ihnen blühen wird, wenn sie mit ihrem gottlosen Treiben so weitermachen.
Dieses Gerichtswort Michas ist dabei besonders majestätisch. Es zeigt, wie hoch überlegen Gott über den Menschen thront, dass selbst die massivsten Naturerscheinungen unter seinem Gewicht nachgeben. Diese Majestät haben die Israeliten vergessen, nicht mehr einkalkuliert in ihren Überlegungen – und so müssen sie die Folgen tragen.
Auch heute gibt es noch Menschen, die in gewisser Weise prophetisch auftreten und dabei kräftig den Holzhammer herausholen. Manche meinen dabei, eine Gottesposition einnehmen zu dürfen, die sie dazu legitimiert, unter denen Kleinholz anzurichten, die ihrer eigenen Meinung nicht gehorchen. Erkennt man einen Propheten also am beeindruckenden, vielleicht martialischen Auftreten?
Wenn wir uns die Verse 8 und 9 ansehen, erleben wir die andere Seite eines echten Propheten: die Sorge um sein Volk. Echte Propheten leiden unter ihrer Gerichtsbotschaft und frohlocken nicht etwa, auf der richtigen Seite zu sein. Wenn sich jemand also prophetisch gibt, wäre zu prüfen, ob er sich arrogant über oder demütig unter die Situation stellt, die er jeweils anklagt.
