Apostelgeschichte 10
In Cäsarea lebte ein römischer Hauptmann mit Namen Kornelius, der Befehlshaber der „Italischen Einheit“. … Der Engel sprach zu ihm: „Deine Gebete und Geschenke für die Armen sind Gott nicht verborgen geblieben! Schick ein paar Männer nach Joppe, zu einem Mann mit Namen Simon Petrus. Bitte ihn, zu dir zu kommen. Er wohnt als Gast bei dem Gerber Simon, der ein Haus am Meer hat.“ Am nächsten Tag – die Boten des Kornelius waren bereits vor der Stadt – stieg Petrus auf das Dach des Hauses, um zu beten. Es war kurz vor Mittag, und er hatte großen Hunger. Doch während das Essen zubereitet wurde, hatte er eine Vision. Er sah den Himmel offen stehen, und etwas wie ein großes Tuch wurde an den vier Zipfeln zur Erde heruntergelassen. In diesem Tuch befanden sich verschiedene vierfüßige Tiere sowie Schlangen und Vögel. Er hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: „Petrus, steh auf. Schlachte sie und iss davon.“ „Niemals, Herr“, erklärte Petrus. „In meinem ganzen Leben habe ich noch nie etwas gegessen, das uns nach unserem jüdischen Gesetz verboten ist.“ Da sprach die Stimme zum zweiten Mal: „Wenn Gott sagt, dass etwas rein ist, dann sag du nicht, dass es unrein ist.“ Diese Vision wiederholte sich drei Mal, und sofort danach wurde das Tuch wieder in den Himmel hinaufgezogen.
Petrus war ratlos, was dies zu bedeuten hatte. In diesem Augenblick fanden die Männer, die Kornelius geschickt hatte, das Haus des Simon. Sie standen draußen vor dem Tor und erkundigten sich, ob dies das Haus sei, in dem Simon Petrus als Gast wohne. Gleichzeitig sprach der Heilige Geist zu Petrus, während dieser noch über die Vision nachdachte: „Drei Männer sind gekommen, die dich suchen. Steig hinunter und geh ohne Bedenken mit ihnen, denn ich habe sie gesandt.“ … Da erwiderte Petrus: „Jetzt weiß ich, dass es wahr ist: Gott macht keine Unterschiede zwischen den Menschen. In jedem Volk nimmt er jene an, die ihn achten und tun, was gerecht ist. Ihr habt Gottes Botschaft für das Volk Israel gehört: von dem Frieden durch Jesus Christus, der Herr über alle ist.“ … Noch während Petrus sprach, kam der Heilige Geist über alle, die seine Botschaft hörten.
Wieder ein umstürzendes Ereignis in der Apostelgeschichte, und zwar eins, ohne das unser christliches Abendland nie zu einem solchen geworden wäre. Zum ersten Mal empfängt ein Nichtjude den Heiligen Geist, in diesem Fall ein römischer Hauptmann. Das ist schon deswegen sensationell, weil das zunächst im Fahrplan gar nicht vorgesehen war. Bislang hatten sich die Israeliten als exklusive Gottesgemeinschaft, als auserwähltes Volk verstanden. Die Apostel sind ganz in diesem Denken aufgewachsen und haben bislang lediglich Andeutungen von Jesus mitbekommen, dass es anders sein könnte. Dass wirklich „Heiden“, andere Völker zu Gottes Volk gehören könnten, war völlig außerhalb des Vorstellungsbereichs. Jesus war für die Judenchristen (im Gegensatz zu den Juden) zwar der Messias, aber eben der Messias für die Juden.
Petrus wird nun auf das Geschehen vorbereitet, ohne zunächst zu wissen, worum es eigentlich geht. Gott lässt ein Tuch mit für den Juden unreinen Tieren vom Himmel (Petrus knurrte gerade auch der Magen) und befiehlt Petrus, diese zu essen, was Petrus aber zurückweist. Das geschieht noch zwei Mal – beim dritten Mal kommt der entscheidende Satz: „Ich habe es doch für rein erklärt – das kann nun für dich doch nicht mehr unrein sein.“ Da es sich um eine Vision handelte, musste Petrus die unappetitlichen Tiere zum Glück nicht essen. Aber dennoch war zunächst unklar, was damit gemeint war.
Da läutet es an der Tür – und damit stand des Rätsels Lösung schon im Rahmen. Auch der Hauptmann Kornelius ist von Gott für die Begegnung vorbereitet worden. Da kommt dem Petrus die zweitwichtigste Erkenntnis seines Lebens: Nicht nur die Israeliten, sondern alle Menschen sind bei Gott willkommen. Und Kornelius und seine Kameraden werden getauft und empfangen auch den Heiligen Geist.
Gott überschreitet Grenzen – vor allem und zuerst in den Köpfen und Herzen der Menschen.
