2. Mose 16
An diesem Abend flog eine große Anzahl Wachteln herbei. Sie ließen sich im ganzen Lager nieder. Am nächsten Morgen lag Tau rings um das Lager.
Als der Tau später am Morgen verschwunden war, bedeckten feine Körner – wie Reif – den Boden. Die Israeliten sahen es und fragten einander: „Was ist das?“ Denn sie wussten nicht, was es war. Mose antwortete: „Das ist das Brot, das der HERR euch zum Essen gegeben hat. Der HERR gibt euch folgende Anweisung: ,Sammelt euch davon so viel, wie ihr benötigt. Pro Person, die in eurem Zelt lebt, sollt ihr einen Krug davon sammeln.‘“ Und so machten es die Israeliten dann auch: Sie sammelten von der Speise ein – die einen viel, die anderen wenig. Als sie es jedoch abmaßen, hatten diejenigen, die viel gesammelt hatten, nicht zu viel und denjenigen, die nur wenig gesammelt hatten, fehlte nichts. Jeder hatte genau so viel gesammelt, wie er brauchte. Dann befahl Mose ihnen: „Niemand soll etwas davon über Nacht aufbewahren.“ Aber einige von ihnen hörten nicht auf Mose und hoben etwas davon auf. Doch am nächsten Morgen war es voller Maden und stank. Da wurde Mose zornig auf sie. Jeden Morgen sammelten alle so viel, wie sie benötigten. Sobald es dann aber heiß wurde, schmolz das, was sie nicht gesammelt hatten, weg. Am sechsten Tag hatten sie doppelt so viel wie sonst gesammelt – zwei Krüge statt einem für jeden. … Mose sagte: „Sammelt sechs Tage lang die Körner. Der siebte Tag aber ist ein Ruhetag, an dem kein Manna für euch auf dem Boden liegen wird.“
Bereits drei Tage nach dem Wunder am Roten Meer hatte es Beschwerden gegeben, da das Volk auf eine ungenießbare Wasserquelle traf. Mose konnte sie durch Jahwes Hilfe trinkbar machen. Kurze Zeit später nun die nächsten Quengeleien. (Allerdings ist zu bezweifeln, dass wir Normalchristen anders reagiert hätten.) Angesichts akuten Lebensmittelmangels beherrschen Fantasien von den Fleischtöpfen Ägyptens das Denken des Volkes. Verklärung der Vergangenheit ist aber immer ein untaugliches Mittel, um den Alltag zu bewältigen.
Tatsächlich sorgt Gott für seine Leute, und zwar im Überfluss. Brot und Fleisch gibt es nun satt. Aber auch hier ist wieder der Mensch gefordert: Zunächst war Vorratshaltung generell untersagt (Vertrauen muss täglich neu bewiesen werden), dann aber für die Vorbereitung auf den Sabbat absolut gefordert (die Gebote Gottes müssen bewahrt werden). Eine Art Schlaraffenland in der Wüste, bei dem einen die gratis gelieferten Lebensmittel aber nicht träge machen, sondern Glaube und Gehorsam besonders herausfordern.
