Tag 57

0

Hebräer 9

Dann gab es einen Vorhang und hinter dem Vorhang lag der zweite Raum, der das Allerheiligste genannt wurde. In diesem Raum befanden sich ein goldener Räucheraltar und eine hölzerne Truhe – Bundeslade genannt –, die ringsum vergoldet war. Die Truhe enthielt ein goldenes Gefäß mit etwas Manna, den Stab Aarons, der Triebe bekommen hatte, und die Steintafeln des Bundes mit den Geboten. Herrliche Cherubim befanden sich oberhalb der Bundeslade. Ihre Flügel waren über den Deckel der Bundeslade, den Ort der Versöhnung, ausgebreitet. Aber wir können diese Dinge jetzt nicht alle im Einzelnen erklären. Als alles an seinem Platz stand, gingen die Priester regelmäßig im ersten Raum des Zeltes ein und aus und erfüllten ihren Dienst. Doch nur der Hohe Priester betrat das Allerheiligste, und das auch nur einmal im Jahr und immer mit Blut von Opfertieren, das er für sich und für die Sünden des Volkes darbrachte, die es aus Unwissenheit begangen hat. Durch diese Bestimmungen zeigte der Heilige Geist, dass dem Volk der Weg zum Allerheiligsten noch nicht offenstand, solange der erste Raum des Zeltes noch Bestand hatte. Dies ist ein Gleichnis für unsere Gegenwart: Die Gaben und Opfer der Priester können das Gewissen der Menschen, die sie darbringen, letztlich nicht von Schuld befreien. Denn diese alten Satzungen beziehen sich nur auf Essen und Trinken und rituelle Waschungen – auf äußere Bestimmungen, die nur gelten, bis eine neue Ordnung kommt, die besser ist.

Der Hebräerbrief gilt als einer der schwierigen Texte der Bibel. Vieles klingt fremdartig und nicht unmittelbar anwendbar. Zumindest scheint man einen langen Anmarschweg zu brauchen, um ihn zu verstehen. Liest man ihn aber in engem Zusammenhang mit den Texten aus 2. Mose, wird doch einiges klarer.

Der Schreiber des Hebräerbriefes (es ist nicht geklärt, wer der Verfasser ist) vergleicht den (für ihn vollkommenen) Neuen Bund in Jesus Christus mit dem (für ihn unvollständigen) Alten Bund. Letzten Endes überbietet das Neue die alten Gegebenheiten in unvorstellbarer Weise.

Dieser Text malt uns lebendig die Innenarchitektur des Zeltheiligtums vor Augen. Im Zentrum gab es also den Raum mit der Bundeslade, das Allerheiligste. Einmal im Jahr nur durfte der Hohe Priester (man könnte auch „Chefpriester“ sagen) diesen Raum betreten, um durch das Blut von Opfertieren das Volk mit Gott zu versöhnen.

Für den Schreiber liegt die Unvollständigkeit dieses Rituals auf der Hand. „Same procedure as every year“ konnte nicht die letztendliche Lösung sein, sondern nur bis zur Herstellung einer besseren Ordnung gelten. Christus war der vollkommene Hohe Priester, der durch sein eigenes Blut ein für alle Mal die Menschen mit sich versöhnt hat.