4. Mose 20
Da holte Mose den Stab aus dem Heiligtum, wie der HERR ihm aufgetragen hatte. Anschließend ließen er und Aaron das Volk vor dem Felsen zusammenkommen. „Hört zu, ihr eigensinnigen Menschen!“, rief Mose. „Was meint ihr? Werden wir euch Wasser aus diesem Felsen quellen lassen?“ Und Mose holte aus und schlug zweimal mit dem Stab auf den Felsen. Da strömte Wasser heraus, sodass alle Israeliten und ihr Vieh genug zu trinken hatten. Der HERR aber sagte zu Mose und Aaron: „Weil ihr mir nicht vertraut und den Israeliten nicht meine Heiligkeit deutlich gemacht habt, sollt ihr mein Volk nicht in das Land führen, das ich ihnen geben werde.“ Der Ort bekam den Namen „Wasser von Meriba“, weil die Israeliten hier dem HERRN Vorwürfe gemacht hatten und der HERR ihnen seine Heiligkeit zeigte.
Zum wiederholten Mal ist das Volk Israel schlecht drauf. Es hat kein Trinkwasser. Das ist sicherlich ein handfester Grund, besorgt zu sein. Dennoch kommt einem als Leser das Jammern der Israeliten über das vermeintlich verlorene ägyptische Paradies ebenso zu den Ohren heraus, wie das bei Mose der Fall gewesen sein wird.
Wieder einmal ist also die Stimmung gekippt und Mose mit seinem Latein am Ende. Wieder einmal rettet Gott mit einem Wunder die Situation. Allerdings lenkt Mose buchstäblich das Wasser auf seine Mühlen: Er hält sich nicht an die Anweisungen Gottes, die dessen Größe deutlich gemacht hätten. Stattdessen zeigt er sich den Israeliten als Supermann des Glaubens.
Angesichts der großen Verdienste des Mose mag man menschlich sogar verzeihen, dass ihm hier einmal die Gäule durchgehen. Aber der HERR hat dafür wenig Verständnis – Mose wird ebenfalls nicht in das versprochene Land ziehen. Dies zeigt, wie sehr Gott es verachtet, wenn wir uns selbst mit Dingen großtun, die letztlich Gott bewirkt.
