Vor der Wahl in Israel fürchten viele Christen gesellschaftlichen Stillstand und denken ans Auswandern. Während die politische Rechte dominiert, verschärfen Gewalt, Benachteiligung und Übergriffe ihre Lage, und viele sehen im Wahlausgang wenig Veränderung.
Vor der Parlamentswahl in Israel sehen die Christinnen und Christen im Land kaum Anlass zur Hoffnung. Die politische Rechte dominiert, und viele fürchten nach der Wahl gesellschaftlichen Stillstand, wie katholisch.de berichtet.
Ralf Rothenbusch, Leiter des Paulus Hauses in Jerusalem, beschreibt die Stimmung nüchtern: „Viele Christen denken daran, das Land zu verlassen. Unter jungen Erwachsenen ist es sogar die Mehrheit.“ Seit 2022 regiert Benjamin Netanyahu vom rechtspopulistischen Likud in einer Koalition mit religiösen und nationalistischen Parteien. Sein Herausforderer ist der Ex-General Gadi Eizenkot von der Mitte-Partei Jaschar, zentrale Themen sind die Aufarbeitung des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 und die Wehrpflicht.
Christen machen nur knapp zwei Prozent der Bevölkerung aus, fast 80 Prozent von ihnen gehören zur arabischen Bevölkerung. Der Jesuitenpater David Neuhaus betont jedoch, dass es unmöglich sei, von „den“ Christen in Israel zu sprechen, denn sie sind aramäisch, russischsprachig, asiatisch und unterschiedlich konfessionell geprägt.
Übergriffe auf Christen
Viele Christen fühlen sich desillusioniert. Palästinensisch geprägte Gemeinden sind schlechter mit Infrastruktur versorgt, Schulen sind häufig unzureichend ausgestattet und die Armut trifft sie überproportional. Hinzu kommt die anhaltend hohe Gewalt in Nordisrael, gegen die die Polizei nach Angaben Rothenbuschs kaum etwas unternimmt.
Übergriffe auf Christen sind keine Seltenheit. Das Religious Freedom Data Center (RFDC) hat im dritten Quartal 2026 insgesamt 106 Übergriffe in 96 Vorfällen dokumentiert.
Die Wahllokale sind heute (27. Oktober) noch bis 21 Uhr deutscher Zeit geöffnet. Dann werden Prognosen veröffentlicht. Das Endergebnis der Wahl wird für Mittwoch oder Donnerstag erwartet.
