1. Mose 4
Später schlug Kain seinem Bruder Abel vor: „Komm, wir gehen aufs Feld hinaus.“ Als sie dort waren, fiel Kain über seinen Bruder her und schlug ihn tot.
Da fragte der HERR Kain: „Wo ist dein Bruder Abel?“ „Ich weiß es nicht“, entgegnete Kain. „Soll ich etwa ständig auf ihn aufpassen?“ Doch der HERR sprach: „Was hast du getan? Hörst du nicht: Das Blut deines Bruders schreit zu mir! Deshalb sollst du verflucht sein und musst den Acker verlassen, den du mit dem Blut deines Bruders befleckt hast. Er wird keinen Ertrag mehr bringen, auch wenn du noch so hart arbeitest. Von jetzt an sollst du ein Flüchtling sein, der heimatlos von Ort zu Ort irrt.“
Gott hat durch seinen Sohn einen gnädigen Schlussstrich unter die Feindschaft zwischen ihm und den Menschen gesetzt. Leider ist die Weltgeschichte – und auch der große Ausschnitt, von dem uns die Bibel berichtet – eher vom Bösen geprägt. „Die Welt um uns herum wird vom Bösen beherrscht“, schreibt Johannes (1. Johannes 5,19). Und die Bibel liefert uns dazu reichlich Illustrationen.
Nach wenigen Seiten geschieht schon der erste Mord: ein Brudermord aus Missgunst. Man kann nur darüber spekulieren, warum das Opfer von Abel angenommen wurde, nicht aber das Opfer von Kain. Und ebenso lässt uns die Bibel im Dunkeln, wie das die beiden wohl bemerkt haben. Fest steht, dass Kain darüber in Zorn geriet. Gott redet dem Kain schon vor der Mordtat ins Gewissen. Böse Gedanken ziehen böse Taten nach sich – und der Mensch sollte eigentlich diese finsteren Gedanken im Griff haben. Hat er aber nicht, wie eben an Kain zu sehen ist. Der Mensch ist unfähig, die Sünde zu beherrschen, aber er muss die Folgen für diese Unfähigkeit tragen. Im Falle Kains war das die Heimatlosigkeit; allerdings nicht die Rechtlosigkeit, denn immerhin stellt Gott Kain selbst unter diesem Fluch noch unter seinen Schutz.
