2. Mose 20
Ehre deinen Vater und deine Mutter. Dann wirst du lange in dem Land leben, das der HERR, dein Gott, dir geben wird.
Markus 7
Eines Tages kamen einige Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem zu Jesus. … Und er fuhr fort: „Geschickt setzt ihr Gottes Gebote außer Kraft, um an euren eigenen Vorschriften festzuhalten. Mose gab euch das Gebot von Gott: ,Ehre deinen Vater und deine Mutter‘, und: ,Wer Vater oder Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden.‘ Ihr dagegen behauptet, es sei durchaus richtig, wenn jemand zu seinen Eltern sagt: ,Es tut mir Leid, ich kann euch nicht helfen. Ich habe gelobt, Gott alles zu geben, was ich euch hätte geben können.‘ Ihr lasst zu, dass er seine eigenen Eltern, die Not leiden, vernachlässigt. Auf diese Weise brecht ihr das Gebot Gottes, um eure eigenen Vorschriften zu halten.“
Vater und Mutter zu ehren hieß im Alten Testament nicht, ihnen nur Reverenz zu erweisen und ihr Porträt im Wohnzimmer aufzuhängen. Hier ging es auch, wenn nicht vor allem, um handfeste finanzielle Verpflichtungen: Im alten Israel waren Kinder die persönliche Altersversorgung. Es gab ja weder Versicherungen noch ein ausgebautes soziales Netz. Da war es eine Schande, wenn man im Alter nicht für die Eltern aufkam – und ein Segen, wenn man es tat.
Die angeblich gesetzestreuen Pharisäer scheuten sich nicht, Winkeladvokaten-Tricks in Bezug auf Gottes Gesetz zu machen und so den Willen Gottes außer Kraft zu setzen. Der Unterhalt der Eltern wurde dann für die Gemeindearbeit gespendet (will sagen: für den Tempel). Und da Gott wichtiger als die Verwandtschaft ist, war man fein raus.
Jesus stellt klar, dass eine solche Mathematik krass dem zuwiderläuft, was Gott gemeint hat. Formaler Gesetzesglaube gepaart mit Scheinheiligkeit war schon immer eine üble Mischung. Auch im Zeitalter der Rentenversicherung kann man sich um die Frage der Versorgung der Eltern nicht herumdrücken – sie wird uns in den nächsten Jahrzehnten wieder sehr stark beschäftigen.
