Matthäus 8
Da sagte der Offizier: „Ach Herr, ich bin es nicht wert, dass du in mein Haus kommst. Sprich nur einfach ein Wort, und mein Diener wird gesund! Ich weiß das, weil ich selbst vorgesetzte Offiziere habe und auch mir Soldaten unterstellt sind. Ich brauche nur zu sagen: ,Geht‘, und sie gehen, oder ,Kommt‘, und sie kommen. Und wenn ich zu meinem Sklaven sage: ,Tu dies oder tu das‘, dann tut er es.“ Als Jesus das hörte, war er tief beeindruckt. Er wandte sich an die Menge und sagte: „Ich versichere euch: Einen solchen Glauben habe ich bisher in ganz Israel noch nicht erlebt! … “ Dann sagte Jesus zu dem römischen Offizier: „Geh wieder nach Hause. Was du geglaubt hast, ist eingetroffen.“ Und der junge Diener wurde noch in derselben Stunde wieder gesund.
Die nächste Personengruppe, der sich Jesus exemplarisch zuwendet, sind die römischen Besatzer. Sich vorzustellen, dass die Römer bei den Juden nicht besonders beliebt waren, dazu bedarf es nicht viel Fantasie. Dass allerdings ein Römer zum Juden Jesus kommt und um Hilfe bittet, ist überraschend. Und noch überraschender ist, wie klar er erkennt, was es mit Jesus auf sich hat. So wie der Offizier militärische Befehlsgewalt im irdischen Bereich hat, so hat Jesus Vollmacht im himmlischen Bereich.
Dass Jesus einen solchen Glauben bislang in Israel nicht gefunden hat, ist keine Floskel. Israel ist offenbar gar nicht in der Lage, eine solche Erkenntnis überhaupt wahrzunehmen. Die Israeliten lehnen Jesus ab, weil er nicht in ihr doch so abgesichertes religiöses System zu passen scheint. Das wird allerdings düstere Konsequenzen haben. Für diese Personengruppe ist es umso schlimmer, dass Jesus sich den Römern zuwendet. Es ist in ihren Augen außer Diskussion, das Heil auch für die Römer zu öffnen. Aber dass Jesus das sagt, bestätigt sie eben in ihrer Ablehnung, anstatt sie zu überzeugen.
Die Perspektive, dass Menschen aller Nationen mit Gott zu Tisch sitzen, war für die Juden also keineswegs selbstverständlich. Und dass wir als Vertreter aus den Nationen dazugehören dürfen, ist auch erst seit Jesus der Fall.
