1. Petrus 2
Kommt zu Christus, dem lebendigen Eckstein im Tempel Gottes. Er wurde von den Menschen zwar verworfen; doch in den Augen Gottes, der ihn erwählt hat, ist er kostbar. Und nun lasst euch von Gott als lebendige Steine in seinen geistlichen Tempel einbauen. Ihr sollt Gottes heilige Priester sein und ihm geistliche Opfer bringen, die er durch eure Gemeinschaft mit Jesus Christus annimmt! In der Schrift heißt es: „Ich lege einen Stein in Jerusalem, einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, wird nicht umkommen.“ Für euch, die ihr glaubt, ist er kostbar, doch für die, die ihn ablehnen, gilt:
„Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“ … So seid ihr ein lebendiges Beispiel für die Güte Gottes, denn er hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen. „Früher wart ihr kein Volk; jetzt seid ihr das Volk Gottes. Früher habt ihr Gottes Barmherzigkeit nicht empfangen; jetzt aber habt ihr seine Barmherzigkeit empfangen.“
Der Tempel von Jerusalem ist zur Zeit der Abfassung dieses Briefes zwar noch nicht zerstört, dennoch malt Petrus den Christen die neue Perspektive eines geistlichen Tempels vor Augen, dessen Eckstein Jesus Christus ist. Er ist – im Bild gesprochen – der Stein, den die Bauarbeiter verworfen haben, weil er ihnen unbrauchbar erschien. Jetzt ist er aber zum Fundamentstein geworden.
Auch wir sind Steine in diesem Tempel, und zwar als eine heilige Priesterschaft. Keineswegs ist hier nur an eine Klasse von „Geistlichen“ gedacht, von Pfarrern oder Theologen. Alle Christen sind solche Priester. Der Zugang zu Gott kann über jeden Menschen erfolgen, nicht nur über eine ausgewählte Gruppe von Leuten. Priestertum kann dabei sehr vielfältige Gestalt annehmen und hat nichts damit zu tun, dass jeder sein eigener Pfarrer ist.
Die Aufwertung der „Laien“, der gleiche Zugang für alle Menschen zu Gott, ist ein wesentliches Kennzeichen des christlichen Lebens im Neuen Testament. Sobald wir zwischen Gott und den Menschen Zwischeninstanzen einschieben (etwa Menschen, die angeblich besondere Weisungen von Gott oder besondere Vollmacht haben sollen), verdunkeln wir den Blick auf Gott. Priesterdienst heißt, für andere den Weg zu Gott freizumachen und sich nicht als geistlicher Super-Experte in ebendiesen Weg zu stellen.
