1. Timotheus 4
Nun sagt uns der Heilige Geist ausdrücklich, dass manche sich am Ende der Zeit von dem abwenden werden, was wir glauben; sie werden auf Lügen hören und Lehren folgen, die von Dämonen stammen. Diese Lehrer sind Heuchler und Lügner, aber ihre Gewissen sind tot. Sie werden behaupten, es sei falsch, zu heiraten, und falsch, bestimmte Dinge zu essen. Doch Gott hat diese Nahrungsmittel geschaffen, damit wir sie dankbar essen; denn wir sind Menschen, die die Wahrheit kennen und an sie glauben. Weil alles, was Gott geschaffen hat, gut ist, sollen wir nichts davon ablehnen. Wir dürfen es dankbar annehmen, denn wir wissen, dass es durch das Wort Gottes und durch das Gebet gesegnet wird.
Irrlehren? Na, die Zeit der Ketzer ist doch – Gott sei Dank – vorbei. Die Zeit der Ketzerverfolgungen und der Inquisition auch. Und das, was sektenmäßig en vogue ist, positioniert sich doch zumeist klar neben der Kirche: Mit Scientology ist die Kirche ja kaum verwechselbar, und auch die Zeugen Jehovas sind heute so klar außen vor, dass sie innerkirchlich kaum noch eine Gefahr darstellen.
Das ist allerdings kein Grund zur Beruhigung. Denn es geht ja nicht nur um Sekten oder Weltanschauungen, die sich deutlich vom christlichen Glauben unterscheiden. Viel gefährlicher sind ja die Gruppierungen, die innerhalb der Kirche gedeihen. Es bedarf einer gewissen geistlichen Sensibilität (die Bibel spricht an anderer Stelle auch von der Gnadengabe der Geisterunterscheidung), um solche Strömungen im Keim zu ersticken. Oft sind es keine krassen Irrlehren, sondern es werden Einzelaspekte der christlichen Lehre überbetont – und durch diese Überbetonung ergibt sich eine Schieflage im Glaubensleben. Außerdem versuchen sich solche Gruppierungen in Proselytenmacherei und spalten so die Gläubigen.
Zwei Extreme sind zu vermeiden. Erstens: Die Kirche darf innerhalb ihrer eigenen Reihen nicht eine unbegrenzte Zahl von theologischen Modellen dulden. Es muss eine von Christus her definierte Grenze geben, die man nicht überschreiten darf. Zweitens: Übertriebene Angst vor Irrlehren darf nicht zu einer strikten Reglementierung ausarten. Es darf nicht nur eine Art, Christsein zu leben, als letztlich verbindlich angesehen werden. Damit setzt man sich nämlich selbst ins Abseits der Irrlehrer.
