Tag 126

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2. Samuel 6

Dann erfuhr König David: „Der HERR hat ObedEdoms Haus und alles, was er besitzt, wegen der Lade Gottes gesegnet.“ Da ging er zum Haus Obed-Edoms, um die Lade in einem festlichen Zug in die Stadt Davids zu holen. Als die Träger der Lade des HERRN sechs Schritte gegangen waren, blieben sie stehen und David opferte ein Rind und ein Mastkalb. Und David tanzte begeistert vor dem HERRN und trug dabei nur einen leinenen Priesterschurz. So brachten David und alle Israeliten die Lade des HERRN unter großem Jubel und dem Schall der Hörner nach Jerusalem. Doch als die Lade des HERRN in die Stadt Davids getragen wurde, schaute Michal, die Tochter Sauls, aus dem Fenster. Sie sah, wie König David vor dem HERRN hüpfte und tanzte, und verachtete ihn dafür.

…
Als David nach Hause zurückkehrte, um seine Familie zu begrüßen, kam Michal, die Tochter Sauls, ihm entgegen und sagte: „Wie würdevoll der König von Israel heute aussah! Er hat sich vor den Mägden seiner Untertanen entblößt, wie es nur einer tut, der keine Scham kennt!“ Doch David gab Michal zurück: „Ich habe vor dem HERRN getanzt, der mich vor deinem Vater und seinen Nachkommen erwählt hat. Der HERR hat mich zum Anführer seines Volkes Israel gemacht. Ja, vor ihm will ich auch künftig tanzen. Und ich bin sogar bereit, mich noch tiefer zu erniedrigen als diesmal und demütig von mir zu denken; aber bei den Mägden, von denen du gesprochen hast, werde ich an Ansehen gewinnen.“ Michal aber, die Tochter Sauls, blieb ihr Leben lang kinderlos.

Nach dem Vorfall mit Usa hat David gehörig Muffensausen. Plötzlich traut er sich nicht mehr, die Lade nach Jerusalem zu holen und lässt sie bei einem gewissen Obed-Edom zwischenlagern. Merkwürdig: Zum einen kommt der Mann aus der Philisterstadt Gat und zum Zweiten bedeutet sein Name „Verehrer Edoms“ (vermutlich eine Gottheit). Und ausgerechnet bei dem soll die Bundeslade geparkt werden? Noch komischer: Plötzlich merkt alle Welt, dass Obed-Edom durch die Gegenwart der Lade und damit des HERRN gesegnet wird (wie immer man das auch festgestellt haben mag).

Nachdem auf diese Weise der „Feldversuch“ Obed-Edom gelungen schien, fasste David wieder Mut, die Lade nach Jerusalem zu überführen. Große Euphorie brach aus: David ist in ausgeprägter Feierlaune und tanzt lediglich im Lendenschurz, was protokollarisch sicher nicht vorgesehen war. Darauf macht ihn dann seine Gattin Michal auch aufmerksam, wobei sie es an Sarkasmus nicht fehlen lässt. Doch David lässt sich nicht beirren: Genau so sei es richtig, und er werde noch weiter vor Gott tanzen und, wenn nötig, sich noch mehr blamieren. Basta!

Und ohne es direkt zu kommentieren, suggeriert die Bibel hier, dass daraus resultiert, dass Michal ihr Leben lang kinderlos blieb.

Was sagt uns nun der Text? „Tritt als Mann mutig auf, wenn du bei einer Party die Sau rausgelassen hast und deine Frau dich deshalb zur Rede stellt!“? Oder: „Kritisiere deinen Mann nicht, denn dann bekommst du keine Kinder!“? Wohl kaum. Eher: Die Freude an Gott sollte man sich durch Etikette-Vorschriften nicht verderben lassen. Sie gibt einem die Freiheit, sich auch darüber hinwegzusetzen, was Menschen von einem erwarten.