Tag 152

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2. Könige 6 und 7 in Auszügen

Einige Zeit später aber ließ König Ben-Hadad von Aram sein Heer sammeln und zog los und belagerte Samaria. … Elisa antwortete: „Höre folgende Botschaft vom HERRN! ,So spricht der HERR: Morgen um diese Zeit werden auf dem Markt von Samaria ein Maß feines Mehl und zwei Maß Gerste nur noch einen Schekel Silber kosten.‘“ Der Mann, auf den der König (von Samaria) sich stützte, sagte zu dem Propheten: „Das wäre selbst dann unmöglich, wenn der HERR die Fenster des Himmels öffnete!“ Doch Elisa antwortete: „Du wirst mit eigenen Augen sehen, wie es geschieht, aber du wirst nichts davon essen!“ Vor den Stadttoren saßen vier Aussätzige. „Warum sollen wir hier warten, bis wir sterben?“, fragten sie sich. „Wenn wir hier bleiben, sterben wir, und wenn wir in die Stadt zurückgehen, wo der Hunger herrscht, sterben wir auch. Wir können genauso gut hingehen und uns den Aramäern ergeben. Wenn sie uns am Leben lassen, umso besser. Wenn sie uns töten – nun, dann sterben wir eben.“

Also gingen sie noch am gleichen Abend ins Lager der Aramäer hinaus, doch als sie ankamen, war da niemand! Denn der HERR hatte das Heer der Aramäer getäuscht, sodass die Krieger glaubten, das Rasseln heranstürmender Streitwagen, das Galoppieren von Pferden und das Heranrücken eines großen Heeres zu hören. So brachen sie in der Abenddämmerung auf und ergriffen die Flucht. Als die aussätzigen Männer am Rande des Lagers ankamen, gingen sie in eines der Zelte, aßen, tranken und schleppten Silber, Gold und Gewänder heraus und versteckten alles. Schließlich sagten sie zueinander: „Wir handeln nicht richtig, wenn wir die gute Nachricht dieses Tages nicht weitersagen. Wenn wir bis morgen warten, machen wir uns schuldig. Kommt, gehen wir zurück und erzählen es im Palast des Königs.“ …

Also holten sie zwei Streitwagen mit Pferden, und der König schickte sie hinter dem aramäischen Heer her mit dem Auftrag: „Geht und findet heraus, was passiert ist.“ Sie folgten ihnen bis zum Jordan. Der Weg war übersät mit Kleidungsstücken und Ausrüstungsgegenständen, derer die Aramäer sich auf ihrer überstürzten Flucht entledigt hatten. Dann kehrten sie um und erstatteten dem König Bericht. Da liefen die Einwohner Samarias hinaus und plünderten das aramäische Lager. Und so kam es, dass tatsächlich ein Maß feines Mehl und zwei Maß Gerste für einen Schekel Silber verkauft wurden, wie der HERR vorausgesagt hatte. Der König befahl dem Mann, der ihn begleitet hatte, das Tor zu beaufsichtigen, doch er wurde umgerannt und zu Tode getrampelt, als das Volk durch das Tor stürmte. Er starb so, wie der Prophet es vorausgesagt hatte, als der König in sein Haus kam.

Nachdem sich die Aramäer von ihrer Demütigung erholt hatten, setzten sie erneut zum Schlag gegen Israel an. Es kam sogar zur Belagerung Samarias, der Hauptstadt des Nordreichs. Der Sinn einer Belagerung ist stets das Aushungern der Stadtbevölkerung. In Samaria war es damit so weit gekommen, dass Mütter ihre Kinder aufaßen. Ein absoluter Tiefpunkt der Geschichte Israels. Und wer trägt die Schuld daran? „Na klar“, schließt der König, „natürlich der Prophet Elisa!“

Wie kam er bloß auf diese Idee? Im vorherigen Kapitel war Elisa noch der Retter! Vielleicht hatte der König sich ja ausgerechnet, dass Elisa das auch diesmal könnte – und da er das nicht tat, trug er also die Schuld. Als es dann zu einer Begegnung des Königs mit Elisa kommt, hat dieser eine schier unglaubliche Prophezeiung auf Lager, die der König auch nicht glauben kann (trotzdem lässt er Elisa am Leben).

Szenenwechsel: Jetzt kommt die große Stunde der Underdogs. Aussätzige haben eh wenig zu verlieren, vor allem nicht in einer solchen Situation. Also beschließen sie, zum Feind überzulaufen. Nur: Der Feind ist nicht mehr da! Er war offenbar panikartig über alle Berge (wie wir aus V.6 wissen, war das wieder mal eine von Gott initiierte Verwirrung). Nachdem sie sich dann mit dem buchstäblich gefundenen Fressen gütlich getan und einige Wertsachen für sich beiseitegeschafft hatten, schlug ihnen das Gewissen: Die anderen müssen doch auch diese gute Nachricht hören! Also rannten sie zur Stadt. Logisch, dass der König das zunächst für eine Kriegslist der Aramäer hält. Doch als man entsprechende Testballons aussendet, bewahrheitet sich die Auskunft. Mit der Plünderung des Lagers war das Wort Elisas erfüllt. Und nicht nur das: Auch der hochmütige und ungläubige Minister muss schließlich im doppelten Sinn „daran glauben“.

Es ist interessant, dass der Prophet und die gesellschaftlichen Außenseiter die Lage besser einschätzen als die Könige auf beiden Seiten, das Volk und das Heer. Die Wahrheit – und das gilt auch noch heute – ist selten im Mainstream zu finden.