Hiob 1
Im Land Uz lebte ein Mann namens Hiob. Er war rechtschaffen, aufrichtig und gottesfürchtig und sein Lebenswandel war untadelig. … Eines Tages erschienen die Engel vor dem HERRN und mit ihnen kam auch der Satan. „Woher kommst du?“, fragte der HERR den Satan. Der Satan antwortete dem HERRN: „Ich bin auf der ganzen Erde herumgezogen.“ Da fragte der HERR den Satan: „Hast du meinen Knecht Hiob gesehen? Er ist der beste Mensch, der auf der Erde lebt – er ist rechtschaffen, aufrichtig, gottesfürchtig und verabscheut das Böse.“ Der Satan antwortete dem HERRN: „Ja, Hiob ist ein gottesfürchtiger Mann, aber er hat auch allen Grund dazu! Du hast ihn, seine Familie und seinen Besitz stets vor Unglück bewahrt. Du lässt ihm alles gelingen, was er unternimmt, und sein Reichtum wächst immer weiter. Aber wende dich nur einmal gegen ihn und nimm ihm alles weg, was er besitzt – dann wird er sich auf jeden Fall von dir lossagen!“ „Gut“, sagte der HERR zum Satan, „mit seinem Besitz darfst du tun, was du willst. Ihn selbst aber rühre nicht an.“
Von allen Geschichten der Bibel ist die von Hiob eine der ältesten. Sie ist auch die einzige, in der ein Gespräch zwischen Gott und Satan stattfindet. Gott scheint hier Hiob dem Satan geradezu als Musterexemplar von Frömmigkeit vorzuführen. Doch Satan ist davon nicht überzeugt. Er meint, eine solche Frömmigkeit sei ja auch kein Kunststück, wenn Gott es dem Hiob in jeder Hinsicht gut gehen lässt. Eigenartigerweise bietet Gott Satan dann eine Art Wette (allerdings ohne Wetteinsatz) an, indem er ihm die Gelegenheit gibt, Hiob alles zu nehmen außer seinem Leben.
Ist das nun ein Einblick in das Drehbuch des Himmels? Läuft so unser Leben ab? Nun, diese Geschichte ist ziemlich auf die Spitze getrieben. Sie zeigt beispielhaft, was geschehen kann, wenn der Glaube aufs Äußerste herausgefordert wird, und zwar so, dass man es kaum ertragen kann. Sie liefert keine Erklärung, warum Gott das Böse zulässt, sondern zeigt lediglich, dass er es wirklich zulässt. Aber sie zeigt auch: Selbst wenn der Satan nahezu uneingeschränkte Gewalt über die Lebensumstände Hiobs zu haben scheint, ist es doch Gott, der die Oberhoheit hat. Gott führt das Leben des Hiob zu einem guten Ende.
