Ester 8 und 9
Nun sprach Ester noch einmal beim König vor. Sie kniete zu seinen Füßen nieder und flehte ihn unter Tränen an, die von Haman angezettelte Verschwörung gegen die Juden abzuwenden. Sie … sagte: „Wenn mir Ihre Majestät wohlgesonnen ist, so erlassen Sie ein Dekret, um die Anordnungen Hamans aufzuheben. Sein Vorhaben, die Juden in allen Provinzen des Königs zu töten, hat dieser ja schriftlich angeordnet.“ Da sagte König Ahasveros: „Nun schreibt in meinem Namen bezüglich der Juden ein Dekret, so wie ihr es wollt. Bedenkt aber, dass ein Dekret, das im Namen des Königs geschrieben wurde, nicht widerrufen werden kann.“ Also wurden die Schreiber des Königs zusammengerufen. Der Erlass wurde in den jeweiligen Landessprachen und -schriften, einschließlich der der Juden, aufgeschrieben. „Der König gibt den Juden in jeder einzelnen Stadt das Recht, sich zum Schutz ihres Lebens zusammenzutun. Sie dürfen jede bewaffnete Schar eines Volkes oder einer Provinz, die sie einschließlich ihrer Frauen und Kinder bedroht, töten, vernichten und ausrotten sowie ihren Besitz plündern. Der dafür festgelegte Tag in allen Provinzen des Königs Ahasveros ist der 13. Tag des zwölften Monats, der Monat Adar.“ In allen Provinzen sollte eine Abschrift dieses Dekrets als Gesetz erlassen und öffentlich verkündet werden. Auf diese Weise würden die Juden an dem entsprechenden Tag darauf vorbereitet sein, sich an ihren Feinden zu rächen.
Die Gesetze der Meder und Perser sind zum Sprichwort geworden, weil sie eben unverbrüchlich waren. Und was man einmal verkündet hatte, konnte man nicht einfach rückgängig machen, nicht mal dann, wenn es offensichtlich auf falschen Grundlagen beruhte. Von daher muss auch hier ein juristischer Trick herhalten, um die Juden vor der bereits beschlossenen Vernichtung zu retten. Wir stellen uns die Könige immer als Willkürherrscher vor, aber es ist interessant, dass sie sich bereits einige hundert Jahre vor Christus einem gesetzgebendenPrinzipverpflichtetfühlten.
Man durfte die Juden also ausrotten, aber – und das war das Gegengesetz – es wurde jeder für vogelfrei erklärt, der genau das versucht. Immerhin ließen sich nicht alle davon einschüchtern und versuchten es trotzdem (sicherlich hatten die Juden auch im Volk viele Feinde) – das Ergebnis war aber so verheerend, dass die Juden hinterher nicht nur bewahrt wurden, sondern sogar gestärkt aus der Angelegenheit hervorgingen. Schlussendlich bekam Mordechai den Posten Hamans.
Zur Erinnerung an diese Ereignisse wurde aus Dankbarkeit für die Rettung das (fröhliche) Purimfest eingeführt, das bis heute in Israel gefeiert wird.
