2. Mose 2
Als Mose erwachsen geworden war, ging er zu seinen Landsleuten und sah, wie hart sie arbeiten mussten. Dabei beobachtete er auch, wie ein Ägypter einen Hebräer schlug. Mose schaute sich nach allen Seiten um. Und als er sich vergewissert hatte, dass niemand in der Nähe war, erschlug Mose den Ägypter und verscharrte ihn im Sand. Am nächsten Tag ging Mose wieder hinaus und sah, wie zwei Hebräer miteinander stritten. „Warum schlägst du einen Mann aus deinem eigenen Volk?“, fragte er denjenigen, der im Unrecht war. „Wer hat dich denn zu unserem Aufseher und Richter ernannt?“, entgegnete der Mann. „Willst du mich etwa auch umbringen wie den Ägypter?“ Mose erschrak und dachte: „Nun ist die Sache doch herausgekommen!“ Als der Pharao davon erfuhr, wollte er Mose töten lassen. Mose jedoch floh vor dem Pharao in das Land Midian.
Mose war sich seiner israelitischen Herkunft natürlich trotz allem bewusst. Allerdings genoss er aufgrund der Vorgeschichte eine Sonderstellung am Hof. Eines Tages platzte ihm der Kragen, als er sah, wie ein Ägypter einen Israeliten schlug. Obwohl er sich bequem hätte opportunistisch verhalten können, stellt er sich auf die Seite seiner Landsleute und tötet den Ägypter. Als er dann anderntags einen Streit unter Landsleuten schlichten will, wird ihm diese Tat vorgehalten – und Mose muss fliehen, da er nun weiß, dass sein Totschlag nicht unbeobachtet geblieben war.
40 Jahre wird Mose nun im öden Land Midian zubringen. Das wird gerne als Strafe für den Mord an dem Ägypter gedeutet. Doch gibt es noch einen anderen Aspekt, der in Apostelgeschichte 7 deutlich wird. Dort hält Stephanus – der erste Märtyrer der jungen Kirche – den religiösen jüdischen Führern vor, dass schon ihre Vorfahren in Ägypten die Bedeutung des Mose nicht erkannt hätten, und spielt dabei auf diese Begebenheit an.
Ob Strafe oder nicht: Die 40 Jahre in Midian erweisen sich wieder einmal als ein Umweg, der sich als Weg Gottes herausstellt.
