Tag 361

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1. Timotheus 3

Es stimmt, dass jemand, der ein Ältester sein möchte, eine sehr ehrenvolle Aufgabe anstrebt. Ein Ältester muss ein Mensch sein, der ein einwandfreies Leben führt. Er soll seiner Frau treu sein. Er soll Selbstbeherrschung haben, besonnen leben und einen guten Ruf besitzen. Er soll gastfreundlich sein und fähig, andere zu lehren. Er darf kein Trinker oder gewalttätiger Mensch sein, sondern er soll freundlich und friedliebend sein und darf nicht am Geld hängen. Es ist nötig, dass er ein guter Familienvorstand ist und dass seine Kinder ihn achten und ihm gehorchen. Denn wenn ein Mann es nicht versteht, seiner Verantwortung im eigenen Haus gerecht zu werden, wie soll er dann für Gottes Gemeinde sorgen? Ein Ältester sollte auch nicht erst vor kurzem gläubig geworden sein, damit er nicht stolz wird, schon so früh ein Amt innezuhaben, und der Teufel seinen Stolz benutzt, um ihn zu Fall zu bringen. Außerdem soll er einen guten Ruf bei den Menschen außerhalb der Gemeinde haben, damit er nicht ins Gerede kommt und in die Falle des Teufels tappt.

Wenn wir heutzutage Stellenanzeigen mit ihren Anforderungsprofilen lesen, fragt man sich manchmal, ob sich die Firmen, die hochqualifizierte Wollmilchsäue suchen, sie sich nicht selbst backen sollten. Die Anforderungen sind teilweise so hoch, dass man sich nur mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein auf eine solche Stelle bewerben kann. Aber das will man heute als Arbeitgeber: Menschen, die viel von sich halten.

In den Gemeindeleitungen oder Presbyterien sieht es dagegen oft anders aus. Nicht selten macht der den Job, der Zeit und Lust hat, der wohlhabend ist oder den man dazu bequatscht hat. Wenn man nach den Anforderungskriterien gehen würde, die Paulus hier bietet, hätte man mancherorts vielleicht gar keine Gemeindeleitung mehr. Also muss man pragmatisch sein.

Wo die Wirtschaft die Latte vielleicht zu hoch anlegt, legen die Christen sie zu niedrig an. Gut: Stadtbekannte Säufer sind in diesen Ämtern eher selten, aber: Wie sieht es mit dem Temperament aus, das manchmal durchgeht, der Gastfreundschaft, der Reputation (überall – nicht nur in Gemeindekreisen!), dem Verhältnis zum Geld, der Autorität in den eigenen vier Wänden oder auch der Lehrfähigkeit?

Es hat schon seinen Grund, dass Paulus uns so deutliche Kriterien nennt. Wir wollen in diesen Dingen nicht päpstlicher sein als der Papst, aber auch nicht lascher als die Apostel. Vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, dass unsere Gemeinden sich selbst anhand dieser Kriterien überprüfen, so dass auch Gemeindeleitungsmitglieder, die hinter den Anforderungen des Paulus zurückbleiben, ihr Leben überdenken.