Tag 72

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4. Mose 22-24 in Auszügen

Der Engel des HERRN ging noch ein Stück weiter und stellte sich an einer Stelle auf, die so eng war, dass man weder nach rechts noch nach links ausweichen konnte. Als die Eselin diesmal den Engel sah, legte sie sich unter Bileam auf den Weg. Bileam packte die Wut und er schlug sie mit seinem Stock. Da gab der HERR der Eselin die Fähigkeit zu sprechen. „Was habe ich dir getan, dass du mich dreimal schlägst?“, fragte sie Bileam. „Du hast mich zum Narren gehalten!“, rief Bileam. „Hätte ich ein Schwert dabei, so würde ich dich jetzt töten!“ „Bin ich nicht die Eselin, auf der du schon immer geritten bist?“, entgegnete die Eselin. „Habe ich etwa früher schon einmal so etwas getan?“ „Nein“, gab Bileam zu. Der HERR öffnete Bileam die Augen, sodass er den Engel des HERRN mit gezücktem Schwert in der Hand auf dem Weg stehen sah. Da verneigte sich Bileam vor ihm und warf sich zu Boden. … Da sagte Bileam zu dem Engel des HERRN: „Ich habe mich schuldig gemacht, denn ich habe nicht bemerkt, dass du mir den Weg versperrt hast. Wenn dir mein Plan nicht gefällt, werde ich wieder umkehren.“ Doch der Engel des HERRN befahl ihm: „Geh mit diesen Männern, aber sag nur das, was ich dir auftrage.“ Bileam erwiderte Balak: „Habe ich es nicht schon deinen Boten gesagt, die du zu mir geschickt hast? Ich sagte: ,Selbst wenn Balak mir einen Palast voller Silber und Gold gäbe, könnte ich mich dem Befehl des HERRN trotzdem nicht widersetzen und aus eigenem Willen etwas Gutes oder Schlechtes tun.‘ Ich kann nur das sagen, was der HERR mir sagt.“

Langsam wurden die Völker in der Umgebung von Kanaan angesichts der militärischen Erfolge der Israeliten unruhig. Der Moabiterkönig Balak kam auf eine interessante und für heutige Leser merkwürdige Idee. Er mietete sich einen Propheten, damit dieser das Volk Israel einmal gründlich verfluchen sollte. Das wirkt nun wahrhaft dunkel und animistisch, irgendwie in Richtung Voodoo-Zauber – und fast genauso war es tatsächlich. Offenbar hatte der Prophet Bileam bis dato in dieser Hinsicht eine zuverlässige Erfolgsquote und so wurde er angeheuert.

Obwohl Gott Bileam im Traum erschienen war und ihm befohlen hatte, Israel nicht zu verfluchen, ließen die Männer um König Balak nicht locker. Schlussendlich ließ sich Bileam breitschlagen und machte sich auf den Weg an den Ort, wo der Fluch ausgesprochen werden sollte. Doch die Beteiligten machen die Rechnung ohne den Wirt.

Gott schickt dem Bileam nämlich einen Engel, den allerdings nur seine Eselin wahrnimmt. Nachdem diese sich merkwürdig verhält, schlägt er sie, worauf das Tier zu reden anfängt. Da wird Bileam offenbar, dass Gott selbst sich ihm in den Weg stellt. Das Ergebnis der Story: Bileam segnet nun die Israeliten, statt sie zu verfluchen. Balak aber muss erkennen, dass man Propheten, die Gottes Worte reden, nicht einfach für eigene Zwecke mieten kann. Nach diesen Ereignissen lässt Bileam dann noch tatsächlich einen Fluch los: gegen Moab!