Fachberatungsstellen in Deutschland haben 2025 insgesamt 999 Fälle von Menschenhandel und Ausbeutung dokumentiert. Die Zahl liegt deutlich über dem Vorjahr.
Der Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) hat für das Jahr 2025 insgesamt 999 Fälle von Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland dokumentiert. Das sind 131 Fälle mehr als im Vorjahr. Die Zahlen stammen aus den Daten spezialisierter Fachberatungsstellen und wurden anlässlich des Europäischen Tages gegen Menschenhandel veröffentlicht. Von den Betroffenen waren 80 Prozent Frauen.
Prostitution bleibt häufigste Ausbeutungsform
Mit 58 Prozent entfiel der größte Teil der Fälle auf Ausbeutung im Bereich sexueller Dienstleistungen. Weitere Betroffene wurden unter anderem in Privathaushalten, bei Reinigungsarbeiten, als Au-pairs sowie in Branchen wie Bau, Landwirtschaft oder Logistik ausgebeutet. Erstmals erfassten die Beratungsstellen auch drei Fälle von Organhandel.
Beratungsstellen stoßen an ihre Grenzen
Nach Angaben des KOK steigt der Unterstützungsbedarf weiter an, während vielerorts Personal und finanzielle Mittel knapp sind. Geschäftsführerin Sophia Wirsching erklärte: „Die hohen Fallzahlen in den Fachberatungsstellen zeigen, wie groß der Bedarf an umfassender Unterstützung und Hilfe bei der Durchsetzung der Rechte Betroffener ist.“ Viele Beratungsstellen arbeiteten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze und könnten nicht alle Hilfesuchenden aufnehmen.
Der Koordinierungskreis weist darauf hin, dass die offiziell erfassten Fälle von Menschenhandel nur das sogenannte „Hellfeld“ darstellen und von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen ist. Viele Betroffene würden nicht identifiziert und tauchten deshalb nicht in Polizei- oder Gerichtsstatistiken auf.
Der Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) ist ein Zusammenschluss von 43 Fachberatungsstellen und Organisationen in Deutschland. Der Verein setzt sich für die Rechte und den Schutz von Betroffenen von Menschenhandel sowie von Gewalt betroffenen Migrantinnen und Migranten ein.
