Matthäus 6
„Nehmt euch in Acht! Wenn ihr Gutes tut, dann tut es nicht öffentlich, nur damit ihr bewundert werdet. In diesem Fall dürft ihr nicht erwarten, von eurem Vater im Himmel belohnt zu werden. Wenn du einem Bedürftigen etwas gibst, posaune es nicht heraus, wie es die Heuchler tun, die in den Synagogen und auf den Straßen mit ihren Wohltaten angeben, nur um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen! Ich versichere euch: Das ist der einzige Lohn, den sie jemals dafür erhalten werden. Wenn du jemandem etwas gibst, dann sag deiner linken Hand nicht, was deine rechte tut. Gib in aller Stille, und dein Vater, der alle Geheimnisse kennt, wird dich dafür belohnen.“
„Tue Gutes und rede darüber“ ist heute ein viel praktiziertes Motto. Gegen den ersten Teil ist auch gar nichts einzuwenden. Es kann nicht genug Gutes getan werden. Die Frage ist allerdings, ob immer ein überdimensionaler Scheck in die Kamera gehalten werden muss. Fernsehkameras hatten die Juden damals noch nicht. Aber dafür hatten sie andere Methoden, mit ihrer Freigebigkeit zu protzen. Dann gab es vielleicht Lob von der staunenden Menge. Dazu sagt Jesus: „Das war’s dann aber auch. Mehr Lohn ist nicht zu erwarten, schon gar nicht im Himmel.“
Wer Gutes tun will, um bei den Menschen gut angesehen zu werden, ist bei Jesus an der falschen Adresse. Dass die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut, ist zwar eine physiologische (Was wissen Hände schon?) wie psychologische (Probieren Sie mal, etwas nicht zu wissen …) Unmöglichkeit, macht aber eines deutlich: Geben soll so geschehen, dass man es hinterher unter Umständen selbst nicht mehr weiß. Jedenfalls ist ein großes Gewese um die eigene Mildtätigkeit absolut fehl am Platz. An dieser Stelle riecht Eigenlob nämlich besonders streng.
