Tag 259

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Matthäus 6

„Und nun zum Beten. Wenn ihr betet, seid nicht wie die Heuchler, die mit Vorliebe in aller Öffentlichkeit an den Straßenecken und in den Synagogen beten, wo jeder sie sehen kann. Ich versichere euch: Das ist der einzige Lohn, den sie jemals erhalten werden. Wenn du betest, geh an einen Ort, wo du allein bist, schließ die Tür hinter dir und bete in der Stille zu deinem Vater. Dann wird dich dein Vater, der alle Geheimnisse kennt, belohnen. Plappert nicht vor euch hin, wenn ihr betet, wie es die Menschen tun, die Gott nicht kennen. Sie glauben, dass ihre Gebete erhört werden, wenn sie die Worte nur oft genug wiederholen. Seid nicht wie sie, denn euer Vater weiß genau, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn darum bittet!“

Beten ist Reden mit Gott und keine öffentliche Demonstration. Eine gewisse Gefahr bei öffentlichen Gebeten liegt darin, dass man den Anwesenden seine eigene Frömmigkeit zur Schau stellt. Dann werden besonders pathetische oder innige oder mit Halleluja-Rufen durchzogene Gebete vom Stapel gelassen, die mehr für die Galerie als für Gott bestimmt sind. Es steht uns aber nicht an, andere für ihren Gebetsstil zu verurteilen, sondern hier muss jeder gegen seine eigenen Gebets-Unarten arbeiten.

Der eigentliche Ort des Gebets ist die Stille. Das Reden mit Gott ist in erster Linie ein privater, intimer Vorgang. Hier gibt es keine Zuhörer, und so besteht auch weniger Gefahr, sich zu verbiegen. Der Vater im Himmel kennt alle unsere Geheimnisse.

Dies heißt auch, dass wir ihn nicht geschwätzig mit tausend Wiederholungen über unsere Anliegen informieren müssen. Es gibt eine Art des ständigen Gebets, der ständigen Wiederholung derselben Anliegen, die nur dokumentiert, dass man seine Not eben nicht an Gott abgeben kann und ihm letztlich nicht vertraut.

Und noch ein anderer Aspekt: Es gibt auch ein mechanisiertes, formelhaftes Beten, mit denen in vielen Religionen auf eine Gottheit eingewirkt werden soll. Dies ist beim christlichen Glauben aus besagten Gründen aber auch nicht erforderlich.