Matthäus 13
Jesus erzählte noch ein anderes Gleichnis: „Das Himmelreich ist vergleichbar mit einem Bauern, der gutes Saatgut auf sein Feld säte. Doch in der Nacht, als alles schlief, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging wieder weg. Als das Korn zu wachsen begann und Ähren ausbildete, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da kamen die Arbeiter des Bauern und sagten: ,Herr, das Feld, auf dem du gutes Saatgut gesät hast, ist voller Unkraut!‘ ,Das hat mein Feind getan!‘, rief der Bauer aus. ,Sollen wir das Unkraut ausreißen?‘, fragten die Arbeiter. Er antwortete: ,Nein, wenn ihr das tut, schadet ihr dem Weizen. Lasst beides bis zur Zeit der Ernte wachsen. Dann will ich den Erntehelfern sagen, dass sie das Unkraut heraussammeln und verbrennen sollen. Den Weizen aber sollen sie in die Scheune bringen.‘“
Jesus sagte: „Der Bauer, der den guten Samen aussät, ist der Menschensohn. Das Feld ist die Welt, und der gute Same steht für die Kinder des Himmelreiches. Das Unkraut sind die Menschen, die zu Satan gehören. Der Feind, der das Unkraut zwischen den Weizen ausgesät hat, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt, und die Erntehelfer sind die Engel.“
Dies ist ein Gleichnis gegen die Voreiligkeit – und die hat es in der Kirchengeschichte zur Genüge gegeben. Es ist tatsächlich so, dass nicht nur gute Pflanzen gedeihen, sondern mitten unter ihnen auch Unkraut. Das gilt auch für den geistlichen Bereich. Eifrige Christen könnten jetzt auf die Idee kommen, dass da, wo sie so etwas wahrnehmen, ein großer Kehraus zu veranstalten ist. Aber Jesus warnt davor, mit der Sense übers Feld zu gehen – um den Weizen zu schützen.
Es ist nicht unsere Aufgabe, die Ernte vorzunehmen! Gott wird dies am Ende tun. Wir können (und müssen) vieles wachsen lassen. Dabei werden wir später allerdings feststellen müssen, dass vieles, was wir für Unkraut hielten, Weizen war; und dass vieles, das wir als Weizen identifiziert haben, in Wirklichkeit dem Unkraut zuzurechnen ist. Ebendarum – nämlich weil die Gefahr der Verwechslung so groß ist – sollen wir die Finger davon lassen, selbst den Richter zu spielen – sei es mit Waffen oder (beispielsweise) Zeitungsartikeln.
