Tag 293

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Lukas 14

Als Jesus sah, dass alle, die zum Essen gekommen waren, sich einen Platz am oberen Ende des Tischs aussuchten, sagte er zu ihnen: „Wenn du zu einem Hochzeitsfest eingeladen bist, strebe nicht nach dem besten Platz. Denn was ist, wenn jemand eingeladen wurde, der angesehener ist als du? Der Gastgeber wird sagen: ,Lass diesen Mann hier Platz nehmen.‘ Und dann musst du beschämt aufstehen und zum letzten Platz gehen, der übrig geblieben ist! Setz dich stattdessen zunächst ans untere Tischende. Wenn dein Gastgeber dich dann sieht, wird er kommen und sagen: ,Freund, wir haben aber einen besseren Platz für dich!‘ So wirst du vor allen anderen Gästen geehrt werden. “

Jesus hält offenbar manche Tischsitten für reformbedürftig. Bei großen Gesellschaften war es wohl üblich, dass es bessere und schlechtere Plätze gab. Am oberen Tischende lagen die bevorzugten Plätze. Wenn nun jemand sich freut, dass er den besten Platz erwischt hat, dann ist es umso beschämender, wenn noch jemand Höheres kommt und er den Platz räumen muss, um dann am Tisch die rote Laterne zu tragen. Besser ist, sich selbst auf den schlechteren Platz zu setzen, denn dann hat man noch Aufstiegsmöglichkeiten. Eine gute Übung, um Demut zu lernen – und das gilt natürlich nicht nur für Tischsitten. Es gibt nur zwei Alternativen: Entweder tritt man selbst demütig auf oder man wird gedemütigt.

Auch dem Gastgeber wird etwas ins Stammbuch geschrieben. Ihm schlägt Jesus nämlich vor, seine Gästeliste zu überdenken. Jesus will den üblichen Zirkel des „Schenkst Du mir was – schenk ich dir was“ bewusst durchbrechen. Man lädt ja manchmal jemanden ein, damit er sich dann revanchiert oder sonst irgendwie erkenntlich zeigt. Nein, man solle sich denen zuwenden, die einem nichts zurückgeben können. Auch dies ist eine gute geistliche Übung, um nicht überall auf seinen Vorteil zu schielen. Nur wird der Gastgeber dies wahrscheinlich später auch nicht beherzigt haben – aber das können wir ja nachholen. Die Elenden dieser Welt werden es uns danken und Gott wird es uns einmal erstatten.